Porträt Christoph Burger
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27.06.2013 Bewerbung, Karriere

Welches Gehalt können Sie fordern?

Welches Gehalt können Sie fordern? Diese Frage treibt viele Bewerber um. Antworten gebe ich regelmäßig in meiner Karriereberatung in der Region Stuttgart. Erste Hinweise bekommen Sie hier.

Pauschale Vorurteile und Irrwege

„Stellen Sie sich auf weniger ein! So viel wie bisher werden Sie in Zukunft nicht verdienen!“ Mit diesen Glaubenssätzen versorgen manche Bewerbungstrainer ihre Gemeinde. Da solche Sätze von Bewerbungsprofis stammen, werden sie leicht übernommen – obwohl sie nicht immer passen. So kommt der bestens qualifizierte Qualitätsingenieur damit in meine Karriereberatung – und irrt. Er kann mehr fordern.

Andere rechnen auf andere Weise falsch. Sie überlegen: Bisher habe ich als guter Produktionsarbeiter 3000,- Euro verdient. Also bin ich diesen Betrag Wert und kann in zukünftigen Vorstellungsgesprächen 3000,- Euro Lohn fordern. Nun will er sich kompromissbereit zeigen und verlangt „nur“ 2800 Euro. Seine Annahme, er hätte damit Abstriche gemacht, ist falsch. Er fordert sogar mehr wie bisher, wenn auch nicht in absoluten Zahlen.

Gehälter haben eine Vorgeschichte, die Sie berücksichtigen müssen

Wenn Sie als angelernter Produktionsarbeiter in Ihrer letzten Stelle bei einem großen, metallverarbeitenden Unternehmen im Schichtmodell 3000,- Euro brutto verdient haben, waren Sie dieses Geld wert. Genauer gesagt: Sie waren dieses Geld für genau diesen Arbeitgeber an diesem Platz als langjährige Arbeitskraft wert. Wenn Sie daraus Rückschlüsse für den Arbeitsmarkt ziehen wollen, müssen Sie bedenken, wie Sie zu diesem Gehalt gekommen sind. Wurden Sie schon dafür eingestellt? Wohl kaum!

Als Sie vor Jahren Ihre Arbeit aufgenommen hatten, war Ihr Gehalt niedriger, als heute und Sie konnten weniger. Sie haben gelernt, eine bestimmte Maschine zu bedienen. Sie eigneten sich mit der Zeit die Kenntnisse an, ihre Kollegen an anderen Maschinen zu vertreten. Damit wurden sie für ihren Arbeitgeber mit der Zeit wertvoller. Dies honorieren Metalltarif-Unternehmen in der Regel pauschal mit circa 10 Prozent Gehaltsplus nach einem halben Jahr.

Berufserfahrung ist nicht in jedem Fall übertragbar

Übertragbar auf andere Unternehmen sind Ihre Erfahrungen nur bedingt. Denn ein neuer Arbeitgeber hat andere Maschinen. Sie können sich wohl schneller einarbeiten, aber sind an der neuen Stelle Anfänger. Ihr Marktwert bleibt bei Verlust des Arbeitsplatzes nicht gleich, sondern fällt auf den Ausgangswert = Grundtarif plus Zulagen für Ungelernte.

Wenn Sie Ingenieur sind, erlangen Sie durch Ihre Berufstätigkeit eher übertragbare Kompetenzen.  Dazu gehören das strukturierte Angehen von Problemen, EDV-Tools, Verhandlungsroutine, Präsentationserfahrung. In welchem Unternehmen Sie diese Pluspunkte erworben haben, ist egal. Sie nehmen sie mit und steigern Ihren Marktwert allgemein.

Beispiel Metalltarif

Um den Marktwert von Ungelernten und von Facharbeitern nach Metalltarif zu überschlagen, gehen Sie wie folgt vor. Bedenken Sie, dass Ihr letztes Gehalt 10 Prozent Steigerung nach den ersten 6 Monaten erfuhr. Ferner werden Sie in den darauffolgenden Jahren weitere Prozente hinzu gewonnen haben, sagen wir 5 Prozent. Ziehen Sie also vom letzten Gehalt 15 Prozent ab. Das ist Ihre aktuelle Gehaltsklasse.

Als Facharbeiter würden Sie z.B. statt 3500 Euro beim Einstieg nur 3000 Euro erwarten dürfen, als Ungelernter statt 3000 nur 2500 Euro (selbstverständlich sind alle Werte Brutto-Beträge). Sie hätten in absoluten Zahlen zunächst weniger. Wenn Sie aber die genannten Löhne bekommen, dürfen Sie sich dennoch glücklich schätzen. Sie haben die Gehaltsklasse trotz Arbeitsplatzverlustes gehalten. Nach 6 Monaten im neuen Job bekommen Sie auch in absoluten Zahlen fast wieder so viel, wie zuletzt.

Sie können dies überprüfen, indem Sie die Grundlöhne des Metall-Tarifsvertrags heranziehen. Der Ungelernte liegt hier in der Region Stuttgart bei rund 2120 Euro, der Facharbeiter bei rund 2790 Euro.

Gestiegener Marktwert bleibt erhalten

Kommen wir auf den Ingenieur zurück. Sie haben als Ingenieur in der Regel durch Ihre Berufstätigkeit übertragbare Fähigkeiten erlangt. Ihre Gehaltssteigerung korrespondiert also mit einem Zuwachs an Know-how. Zudem können Sie bedenken: Das Gehalt Ihrer Ingenieur-Kollegen, die in den letzten Jahren öfter die Stelle gewechselt haben, steigerte sich eher mehr. Lag Ihr Gehalt nach 15 Jahren beim  letzten Unternehmen bei 70000 Euro, sind Sie dies trotz Arbeitsverlustes weiterhin wert.



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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