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23.07.2018 Bewerbung

Vorstellungsgespräch: Suggestivfragen meistern

Vorstellungs- und Personalgespräch mit ihren klassischen Fragen sind immer wieder gefürchtete Hürden in der Berufslaufbahn. Kommen meine Kunden zur Vorbereitung der Gespräche, bereite ich sie auch auf eine Fragenart vor, die sie häufig als besonders schwierig empfinden: Suggestivfragen.

Suggestivfragen erkennen

Der erste, wichtige Schritt besteht darin, die Fragen überhaupt als suggestiv zu erkennen. Der innere Merkspurch dazu lautet: „Wird mir hier gerade etwas unterstellt?“ Wenn Sie diese Frage mit „ja“ beantworten können, wissen Sie schon einmal zweierlei: Erstens, dass es tatsächlich eine Suggestivfrage ist. Zweitens, dass es jetzt zunächst darum geht, sich zur Unterstellung zu verhalten. Nehmen Sie sie an? Weisen Sie sie zurück? Oder irgendetwas dazwischen?

Sehen wir uns einige Beispiele dazu an.

Wie also damit umgehen?

Antwortstrategie eins: Zurückweisen

Natürlich ist es ein bisschen frech, Ihnen einfach ohne besonderen Anlass Negatives zu unterstellen. Aber mit etwas Gelassenheit können Sie es als spielerischen Austausch begreifen. Hier brüsk und abweisend zu reagieren, wäre übertrieben. Einfach zu sagen „ich habe keine ärgsten Feinde“ würde den Gesprächsfaden abreißen lassen. Sie würden die Interviewer mit dem Vorwurf konfrontieren, Ihnen „falsche“ Fragen zu stellen. Das kommt sicher nicht besonders gut an!

Antwortstrategie zwei: Einfach antworten

Hier überhören Sie die Unterstellung einfach. Nach dem Motto: War da was? Nicht dass ich wüsste …. also, machen wir uns mal an die Antwort. Sie beginnen also munter: „Mit schwierigen Kollegen gehe ich so um …“. „Mein ärgster Feind hasst an mir ….“. „Ich bin unbeliebt bei Kollegen, wenn ich ….“. Damit outen Sie sich zwar als extrem unempfindlicher Zeitgenosse, was provokative Fragen anbelangt. Aber Sie haben auch die Aussage über sich akzeptiert, wonach Sie umgeben sind von schwierigen Kollegen, nicht gemocht werden und auch regelrechte Feinde in Ihrem Umfeld lauern. Wer will so jemanden einstellen?

Wer übrigens nicht erkennt, was ihm unterstellt wurde, neigt genau zu diesem ungünstigen Antwortverhalten. Statt auf die Provokation zu reagierten, wird nur erkannt, dass es sich um eine besonders schwierige Frage handelt, was ein längeres Grübeln nach einer Antwort auslöst.

Antwortstragegie drei: Relativieren und antworten

Wenn Sie erkennen, dass Ihnen etwas Ungutes unterstellt wurde, dürfen Sie das nicht einfach stehen lassen. Aber wenn Sie die Unterstellung zurückweisen und sonst nichts Hinzufügen, sind wir wieder bei der ungünstigen Variante eins. Das Gespräch stockt und es hat sich plötzlich eine Wand zwischen Ihnen und Ihren Gesprächspartnern aufgebaut.

Eine Relativierung ist daher die einzig sinnvolle Variante, um sich aus der anspruchsvollen Gesprächssituation zu befreien und die Oberhand zu gewinnen. Etwa so: „Schwierige Kollegen habe ich nicht. Ich glaube, es gibt unterschiedliche Menschen und je nachdem, wie sie sind, muss man eben mit ihnen umgehen. Aber ich weiß, was Sie meinen. Wenn es ein Problem gibt, suche ich das direkte Gespräch ….“

Oder: „Einen ärgsten Feind habe ich nicht. Wenn mich jemand nicht mag, versuche ich herauszufinden, woran das liegt und was evt. mein Anteil daran sein könnte. Dann suche ich das Gespräch oder ich schütze mich, indem ich keine Angriffsfläche biete und sehr aufpasse, was ich sage.“ Oder: „Einen ärgsten Feind habe ich nicht. In solchen Kategorien denke ich auch eher nicht. Aber wenn jemand denselben Job wie ich will, mag er mich vielleicht nicht, wenn ich das Angebot erhalte. Aber das muss er dann eben sportlich nehmen.“

Authentisch bleiben

Wie auch immer Sie auf Suggestiv-Fragen antworten: Sie sagen allerhand über sich selbst aus und darüber, wie Sie die Welt sehen. Wenn Sie nun eine meiner Antwortvorschläge anwenden, nur weil ich sie Ihnen als Experte empfehle, zeigen Sie sich nicht als Person. Das führt im ungünstigsten Fall dazu, dass Sie einen Job bekommen, der nicht zu Ihnen passt.

Daher gilt: Berücksichtigen Sie meine Überlegungen, aber antworten Sie immer auf eine Weise, die zu Ihnen passt. Sollten Sie sich beispielsweise in einem extrem harten Geschäftsumfeld bewegen und eine unbedingte Siegermentalität mitbringen, haben Sie vielleicht ärgste Feinde. Und dann dürfen Sie auf Weichspülerei verzichten und sich zum harten geschäftlichen Kampf bekennen, den Sie täglich führen.

Vielleicht verlangt es Ihr Umfeld sogar genau so. Dann passt vielleicht eine leichte Relativierung und eine Anwort, wie „Privat habe ich keine ärgsten Feinde, aber beruflich hilft es mir, die Welt so zu verstehen.  …“



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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