Porträt Christoph Burger
Xing-Symbol Twitter-Symbol Facebook-Symbol Symbol RSS-Feed
13.09.2017 Bewerbung

Vorstellungsgespräch: 12 Tipps gegen Nervosität und Stress

Gehen Sie cool ins Vorstellungsgespräch? Oder macht Sie allein der Gedanke an diesen Termin nervös? Sollten Sie eher unter Stress stehen, sind Sie damit keinesfalls allein. Folgende bewährte Tipps helfen dabei, dass Sie diesem wichtigen Termin in Ihrer Berufslaufbahn gelassen entgegensehen.

Zwölf bewährte Tipps gegen die Nervosität im Vorstellungsgespräch

1.) Bereiten Sie die Anfahrt genau vor.

Bei näheren Entfernungen zum Stellenanbieter kann eine Probefahrt vorab helfen. Fahrtroute, Ansicht des Gebäudes etc. sind dann schon vertraut. Wo könnte Stau sein, wo können Sie parken? Wie sicher klappen die Verbindungen mit den Öffentlichen? Ihr Unbewusstes, das Sie sonst in Richtung Aufregung schiebt, wird beruhigt. Bei kürzeren wie längeren Anfahrten sollten Sie unbedingt ausreichend Zeit einplanen. (Gehen Sie dennoch nicht zu früh ins Gebäude. Chefs lieben es nicht, wenn der Bewerber schon eine halbe Stunde vor dem Termin unruhig vor seiner Tür hin- und herläuft. Berücksichtigen Sie allerdings auch die Zeit, die Sie von der Pforte bis zum Zielort benötigen. So gibt es beispielsweise in der Region Stuttgart viele High-Tech- oder Automotive-Unternehmen mit verschärften Sicherheitsvorkehrungen. Die Anmeldung am Empfang dauert hier länger.) Indem Sie die Frage der Anfahrt geklärt haben, haben Sie „eine Sorge weniger“ und Ihre Gesamtnervosität reduziert sich.

2.) Bereiten Sie Ihren Auftritt gut vor.

Wie kleiden Sie sich am besten? Wie sitzt die Frisur und gegebenenfalls die Schminke? Die Wahl des Outfits sollte weder overdressed noch underdressed sein. Recherchieren Sie dazu beispielsweise auf der Website, wie die Kleiderordnung im Zielunternehmen ist. Sollten Sie vorher dagewesen sein, konnten Sie vielleicht auch schon „live“ beobachten, wer das Gebäude in welcher Kleidung betritt bzw. verlässt. Die Sorgfalt vorab macht Sie sicher, den vorgegebenen Rahmen einzuhalten und hier nicht zu patzen.

3.) Bereiten Sie alle Standard-Fragen mit den dazu gehörenden Antworten gründlich vor.

Es gibt im Buchhandel hierzu einschlägige Werke, mit denen Sie sich informieren können. Damit wissen Sie: Was kann gefragt werden? Welche Antworten werde ich geben? Die Vertrautheit mit den Standard-Fragen wird Sie beruhigen, da Sie Ihre Antworten bereits vorbereitet haben.

4.) Bereiten Sie alle speziellen Fragen vor, die sich aus dem Abgleich Ihres Stellenprofils mit dem Wunschprofil des Unternehmens ergeben.

Die Vorbereitung mit den Standard-Fragen genügt nicht! Zuweilen sind es sogar die auf Sie speziell zugeschnittenen Fragen wichtiger. Wer sich beispielsweise branchenfremd bewirbt, wird dies begründen müssen. Wenn Sie erst nach Stuttgart ziehen wollen, werden Sie u.U. kurz erläutern müssen, was Ihre Familie zum Umzug sagt. Falls Sie häufig die Stelle gewechselt haben, werden Sie dazu Auskunft geben müssen. Eine Kündigung seitens des Arbeitgebers wird ebenso das Interesse Ihrer Interview-Partner anziehen, wie ein Sabbatical. So ergibt sich in jedem Einzelfall Klärungsbedarf, der häufig in der Rückschau zum entscheidenden Punkt des Vorstellungsgespräches wird. Bereiten Sie sich rechtzeitig darauf vor, so dass Sie keine bösen Überraschungen erleben. Mit der Vorbereitung auf speziell an Ihrem Profil orientierten Fragen liegen Sie auf der sicheren Seite.

5.) Machen Sie sich einen festen Plan, was Sie nach dem Gespräch tun werden.

Egal, wie es ausgegangen sein wird: Für Ihre Anstrengung und den überstandenen Stress dürfen Sie sich belohnen, z.B. durch ein leckeres Essen in einem vorher fest definierten Lokal. Wichtig ist, dass der Plan wirklich konkret ist und Sie ihn sich bildlich vorstellen. Das hilft gegen Blackouts.

6.) Üben Sie alle Antworten vor dem Spiegel, mit Partner/in, Freund/in.

Erzählen Sie sich selbst immer wieder die Antworten. Nutzen Sie, falls vorhanden, eine Video-Kamera. Spiegel oder Kamera (selbst wenn letztere nicht läuft) erhöhen nachweislich die Selbstaufmerksamkeit, die in Vorstellungs- oder Personalgespräch zu Stress führt. Sie simulieren dadurch die Situation im wirklichen Gespräch und erhöhen Ihre Selbstsicherheit.

Während Spiegel oder Kamera stumm bleiben, können Ihnen diese ein Feedback geben. Wie haben Sie gewirkt? Sie können ihre Sparingspartner auch dazu ermuntern, gegebenfalls Nachfragen zu stellen. Damit üben Sie die Interaktion, die im Vorstellungsgespräch entsteht. So erhalten Sie freundliches Feedback und erhöhen Ihre Sicherheit weiter.

7.) Buchen Sie ein Beratung oder Training.

Zuweilen werden Gruppentrainings angeboten – wenn es schnell gehen muss, hilft ein professioneller Karriereberater oder eine Karriereberaterin. Sollte das Training mit Video-Feedback stattfinden und das ist neu für Sie: Machen Sie sich auf einen Schock gefasst. Fast niemand wirkt auf Video so, wie er oder sie es sich vorher vorstellt. Vergegenwärtigen Sie sich, dass dieser Eindruck zwar für Sie selbst neu ist. Für alle anderen ergibt sich aber ein vertrautes Bild. Bitten Sie die Profis um sehr schonende, dezente Rückmeldung. Die Feedbacks sollten wie bei jedem guten Training an Ihre Performance angepasst sein. Eine Kritik, die vielleicht bei einem professionellen Redner angebracht ist und jedes Detail aufgreift, wäre unangebracht. Kein Mensch erwartet von Ihnen eine bühnenreife Leistung im Vorstellungsgespräch. Video-Feedback kann ein gutes Mittel sein, sich gezielt vorzubereiten.

8.) Nutzen Sie die Technik des Entkatastrophisierens.

Lassen Sie den Gedanken zu, dass das Gespräch schief geht. Was könnte im schlimmsten Fall passieren? Was wäre die Folge? Was wäre die Folge dieser Folge? Also z.B. „Ich könnte einen Blackout haben und nicht mehr weiter wissen. Daraus würde folgen, dass es peinlich für mich wird. Daraus folgt, dass ich einen schlechten Eindruck mache. Man traut mir den Job nicht zu. Ich bekomme eine Absage. Ich muss weiter suchen.“ Wenn Sie sich diese Gedankenkette in Ruhe angeschaut haben, überfällt sie diese „Katastrophe“ nicht plötzlich im Vorstellungsgespräch. Sie wissen: Im schlimmsten Fall geschieht das, was am Ende Ihres Katastrophen-Szenarios steht. Und damit können Sie leben.

9.) Verankern Sie Entspannung

Dieser Trick verlangt einige Vorbereitung – Sie müssen vorher üben, damit es klappt. Drücken Sie Daumen und Zeigefinger Ihrer linken Hand zusammen und denken Sie gleichzeitig an ein schönes Erlebnis. Malen Sie sich die erfreuliche, entspannte Situation in Ruhe aus. Wenn Sie dies oft genug vorher üben, überträgt sich die entspannte Stimmung schon, wenn Sie nur die Finger zusammen legen. So entspannen Sie sich während des Vorstellungsgesprächs.

10.) Bauen Sie Adrenalin ab

Stress bedeutet die Ausschüttung von Stesshormonen. Diese Stoffe sind dazu da, uns bereit zu machen, für Kampf oder Flucht, also für eine körperliche Höchstleistung. Unser Körper konnte in der Wildnis sehr schnell sehr aktiv werden – der Stressabbau folgte anschließend automatisch. Nutzen Sie den Adrenalin-Abbau durch körperliche Bewegung, indem Sie vor dem Gespräch z.B. joggen gehen. Wenn Sie etwa um 10 Uhr einen Termin haben und um 8 Uhr laufen gehen und die Zeit für duschen, ankleiden und Anfahrt ausreichend gemütlich verläuft, passt Ihr Zeitplan. So sorgen Sie für einen entspannten Körper und Kopf im Gespräch.

11.) Nutzen Sie direkt vor dem Gespräch eine Entspannungstechnik

Wenn Sie bereits eine Entspannungstechnik wie die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, autogenes Training oder Meditation gelernt und eingeübt haben – wenden Sie diese Technik vor dem Gespräch an. Die erstere Entspannungstechnik funktioniert über das Anspannen von Muskelpartieen und das anschließende Nachspüren in die Muskulatur, die sich – automatisch – nach der Kontraktion wieder entspannt. Auch ohne langes Training können Sie diese Idee nutzen: Spannen Sie für 5-10 Sekunden alle Muskeln an (atmen Sie dabei weiter) – und spüren Sie 30 Sekunden der Entspannung nach. Atmen Sie dabei ruhig und in den Bauch. Wiederholen Sie dies 3 mal. Üben Sie diesen Ablauf einige Male zu Hause, bevor Sie zum Gespräch fahren. So können Sie die Übung so variieren, dass es für Sie passt. Vielleicht kommen Sie besser damit klar, nur die Fäuste zu ballen und die Arme anzuspannen? Oder eine Anspannung von nur 3 Sekunden lässt sich für Sie besser bewerkstelligen? Mit dieser Übung können Sie Stresshormone direkt vor dem Termin abbauen.

12.) Machen Sie sich klar: Kein Mensch erwartet, dass Sie vor einem Gespräch nicht nervös sind.

Im Gegenteil, jemand, den ein solcher Auftritt eiskalt lässt, wirkt uninteressiert. Sie dürfen also anfangs ausdrücklich ein wenig nervös sein. Schließlich handelt es sich um einen wichtigen Termin – eine interessante Stelle bei einem für Sie attraktiven Arbeitgeber. Sollten Sie also während des Gesprächs die aufkommende Nervosität spüren, verfallen Sie nicht in Panik. Etwas Aufregung ist normal und erlaubt.

Weitere Hinweise zur Aufregung im Vorstellungsgespräch

Die zwölf Tipps sind bewährt und helfen üblicherweise, Ihre Nervosität auf ein normales, erträgliches Maß zu bringen. Sollten Sie dennoch beim ersten Gespräch – vielleicht nach langer Zeit im Job ohne Bewerbungen – noch zu hippelig gewesen sein, trösten Sie sich. Bei der nächsten Gelegenheit wird es schon besser werden. Sie gewöhnen sich nach und nach an diese besondere Gesprächssituation und sie verliert so ihre Besonderheit.

Machen Sie sich auch klar, dass kritische Fragen der Personaler zu deren Job gehören. Wären Sie nicht interessant genug, hätte man Sie gar nicht erst eingeladen. Kritische Fragen müssen trotzdem gestellt werden – sonst machen die Personalentscheider ihren Job nicht. Bewerben Sie sich beispielsweise branchenfremd, ist das vor dem Gespräch schon klar, da der Arbeitgeber dies anhand Ihrer Unterlagen erkennen kann. Wäre es undenkbar, dass Sie den Job bekommen, hätte man Sie nicht eingeladen. Dennoch sollten Sie die Frage erwarten, wie Sie sich die Einarbeitung in die neue Branche vorstellen – und sich gründlich darauf vorbereiten.

Falls sich Ihr ausgeprägter Stress trotz allem hartnäckig halten: Forschen Sie per Innenschau danach, was der Grund Ihrer permanenten Aufgeregtheit ist. Gehen Sie Ihren Befürchtungen nach: Was stresst Sie momentan im Leben?  Bearbeiten Sie diese Themen, die sich hier in den Vordergrund drängen, in aller Ruhe.

Wenn das alles gar nichts hilft, geraten Kurse für Entspannungsverfahren oder auch die Psychotherapie ins Blickfeld. Aber auch ein Weg zum neuen Job, der ohne formelles Vorstellungsgespräch auskommt, könnte ein Weg für Sie sein. Wenn Sie z.B. per persönlicher Empfehlung ein informelles Gespräch vereinbaren können oder über ein Praktikum in die Firma gelangen, kommt es gar nicht erst zur zugespitzten Situation des Vorstellungsgesprächs mit Nervositäts- und Blackout-Gefahr.

Viel Erfolg!



Tags:
Porträt Christoph Burger

Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

Schreiben Sie einen Kommentar!

* Pflichtfeld / ** Wird nicht veröffentlicht!