Porträt Christoph Burger
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22.05.2015 Bewerbung

Hobbies im Lebenslauf

yes-238375_1280Gehören Hobbies in den Lebenslauf? Ja oder nein – wie sollten Sie sich entscheiden? Und wenn Sie dafür stimmen, wie wählen Sie aus und formulieren Sie so, dass Sie einen Vorteil in der Bewerbung erreichen?

Persönliches bieten

Menschen, die ich in meiner Praxis für Karriereberatung kennenlerne, begeistern mich sehr häufig mit Ihrer Persönlichkeit. Da trifft solide Kompetenz auf eine ganz eigene Art, die Dinge anzugehen. Ehrlichkeit ist Trumpf, Gefühle dürfen gelebt werden und finden Eingang in die berufliche Laufbahn. Nur: Viel zu oft finde ich kaum etwas von diesem menschlichen Reichtum in den Bewerbungsunterlagen.

Mit meiner Hilfe mag es gelingen, den jeweiligen Charakter heraus zu arbeiten und beispielsweise in Formulierungen im Anschreiben auszudrücken. Aber nicht immer steht Ihnen ein professioneller Karriereberater zur Seite. Deshalb ist das einfachste Mittel: Geben Sie Ihre Hobbies im Lebenslauf an. Das ist keine Pflicht – wenn Sie nicht mögen, müssen Sie nicht. Aber Hobbies sind häufig ein probates Mittel, um anderen etwas von der eigenen Persönlichkeit mitzuteilen. Entsprechend erhöhen sich die Chancen, dass Sie die Bewerbungsleser neugierig machen und zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden.

Wenn Sie meiner Empfehlung folgen und sich grundsätzlich dafür entscheiden, gibt es einiges zu beachten. Der erste Punkt trifft manch einen, den Familie und Beruf voll ausfüllen:

„Ich habe keine Hobbies“

Diese Aussage habe ich oft gehört, wenn ich nahe legte, die Freizeitaktivitäten im Lebenslauf anzugeben. Häufig fand sich bei genauerem Hinsehen jedoch durchaus eine erwähnenswerte Beschäftigung. „Ich gehe gerne in die Oper. Aber ganz selten, weil wir keinen Babysitter haben.“ Macht nichts! Hobby bleibt Hobby, auch wenn man wenig dazu kommt. Sie können ja druchaus von Ihrem letzten Opernbesuch erzählen, auch wenn das ein paar Wochen oder Monate her ist.

Überlegen Sie, was Sie gerne tun, egal wie oft Sie dazu kommen. Und dann werden Sie konkret, denn das brauchen wir im nächsten Schritt.

Lesen ist kein Hobby

„Lesen“ als Hobby ist viel zu unkonkret. Selbst wer nur das Fernsehprogramm studiert, kann das „lesen“ nennen. Sie können im Internet interessante Themen recherchieren, die Lektüre der Tageszeitung, eines Wochenmagazins genießen oder in Romanen schmökern. Und das auch noch in jeder Sprache der Welt. Was also trifft auf Sie zu? Manche konsumieren bevorzugt Science Fiction, andere englische Romane. Sie lesen vielleicht Fachmagazine oder auch „unterhaltende Literatur querbeet“. Das alles sind Beschreibungen, mit denen man Sie näher kennen lernt. Und die Sie auch im Lebenslauf angeben können.

„Ich gehe gerne ins Kino“ sagte mir eine Kundin. Das ist leider noch zu allgemein. „Welche Filme sehen Sie gern?“ fragte ich deshalb. „Auf jeden Fall mal keine amerikanischen Blockbuster.“ Aha! Das Hobby ist also „europäisches Kino“. Das klingt sofort interessant! Eine junge Frau, Angestellte einer Krankenkasse, nannte mir einmal „Fahrrad fahren und schwimmen“ auf die Frage, welchen Sport sie den treibe. Auch das sind Beispiele für zu allgemeine Angaben. „Naja, es geht mir darum, einen Ausgleich zu finden zum Job.“ Aha! „Ausgleichssport“ ist also die Formulierung für den Lebenslauf. Wie passend ist das denn für eine Angestellte einer Krankenkasse?!

Die Kombi machts

Wer nun „Schiffsmodelle bauen“ und „Kaktuszucht“ kombiniert, stellt sich als Einzelkämpfer da. Wer dagegen „Motorsport“ und „Deutscher Schlager“ angibt, droht, als wenig tiefgründig zu gelten. Achten Sie also auf die Kombination der angegebenen Hobbies und was Sie damit über sich sagen. Sie sollen nicht lügen. Aber wer nur hin und wieder ein Motorrennen besucht, muss daraus kein Hobby fürs Leben bzw. für den Lebenslauf machen.

Hobbies, die Teamgeist und Sportlichkeit (z.B. Volleyball) andeuten oder geistige Interessen (Schach- Aktiver Vereinsspieler), sind gut. Wenn Ihre Leidenschaft aber nunmal fürs Briefmarkensammeln blüht? Dann formulieren Sie „Leidenschaftlicher Philatelist“ – das klingt ganz anders, als „Briefmarken sammeln“. Also: Nicht verbiegen! Aber die Wirkung beim anderen nicht völlig außer Acht lassen.

„Wann arbeitet der eigentlich?“

Achten Sie zum Schluss noch auf eine gewisse Begrenzung Ihrer Privataktivitäten. Wenn Sie wirklich alles angeben, werden Sie leicht als Freizeitmensch angesehen, der kaum noch zu seinem Hauptjob kommt. Und so jemand stellt man nicht ein. In erster Linie sollen Sie ja arbeiten. Aber mit den Hobbies eine persönliche Note in die Bewerbung einfügen, das stellt auch Ihre fachliche Kompetenz in günstigerem Licht dar.



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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