Bewerbungsanschreiben: Den ersten Satz meistern

„Hiermit bewerbe ich mich …“  STOPP! Wer sein Anschreiben mit einer Floskel beginnt, erhält schnell eine Absage. Die Text-Profis im Journalismus haben den besten Einstieg, den sogenannten Teaser, perfektioniert, um Leser neugierig zu machen und in den Text zu ziehen. So nutzen Sie diese bewährten Techniken.

Die Angst vorm leeren Monitor

Fragt man Bewerber*innen, was das Schwerste am Anschreiben ist, sind sich die Betroffenen schnell einig: Der erste Satz! Vor einigen Jahren habe ich dazu einen klassischen Post geschrieben, der Sie in vielen Fällen retten kann. Beispielsweise hilft es oft weiter, überhaupt mit dem Schreiben zu beginnen und über die Güte des ersten Satzes später nachzudenken. Hier beschreibe ich, wie eine klare Gliederung beim Texten hilft. Aber früher oder später kehrt das Problem wieder: Wie steigen Sie so ein, dass Neugier geweckt wird und das Bedürfnis zum Weiterlesen entsteht?

Eine wesentliche Hilfe dürfte die gute Vorarbeit sein. Dazu gehört:

  1. Setzen Sie sich sehr genau mit dem Profil der Stelle und des Arbeitgebers auseinander
  2. Gleichen Sie dieses Profil mit Ihrem eigenen ab und definieren Sie die wichtigsten Punkte in der Schnittmenge. Beantworten Sie beispielsweise die Frage: Warum sollte man Sie alles in allem einstellen? (3 Punkte)
  3. Überarbeiten Sie Lebenslauf und Einstiegsseite (Ihr Kurzprofil in Stichworten) entsprechend
  4. Formulieren Sie den Haupttext Ihres Anschreibens – beispielsweise unter Zuhilfenahme meiner Gliederungsempfehlungen

Auf diesem Weg finden Sie wichtige Stichworte und Halbsätze, die für den ersten Satz des Anschreibens in Frage kommen.

Von Profi-Teaser-Mustern lernen

Teaser nennt man die kurzen Texte am Anfang eines Artikels, die zum Weiterlesen verführen sollen. Spiegel-Online – und viele weitere Medien – nutzen dazu ein Standard-Muster. Es heißt: Reiz-Kernthese-Rampe.

Reiz: Zunächst dienen einer der folgenden Punkte als Reiz, der die Aufmerksamkeit weckt:

Neugier: Eine Frage, etwas Ungewöhnliches, eine gewagte Aussage

Angst: Die Furcht, den / die besten Bewerber*innen zu verpassen. Nicht dumm, sondern schlau dastehen.

Etwas Bekanntes: Verknüpfung mit einem Detail der Stellenanzeige oder des Unternehmens, einer Weisheit der Branche, einer Beobachtung des Alltags

Etwas Nützliches: Welchen konkreten Nutzen bieten Sie als Arbeitskraft an?

Etwas Irritierendes: Ein neuer Blickwinkel, eine originelle Idee.

Kernthese: Antwort auf die W-Fragen.

1. Wer? / Was? / Wo?

2. Wann? / Wie? / Warum?

3. Wen betrifft das? / Wie lange? / Welche Folgen?

Journalistische Artikel geben gleich zu Beginn Antwort auf die wichtigsten dieser Fragen – durchaus nicht auf alle. Und selbstverständlich in aller Kürze!

Rampe: Der Abschluss des Teasers katapultiert den /die Leser*in in eine Situation, die unbedingt zum Weiterlesen verführt.

Dabei wird oft eine Frage genutzt „Wie konnte ich diese Erfolge erreichen?“. Oder ein Satz, der nach seiner Ergänzung schreit: „Doch das ist nur die halbe Wahrheit.“

Beispiel-Teaser fürs Bewerbungsanschreiben

Eine befreundete Personalchefin sagt immer wieder: Ich war zehn Jahre Personalleitung. Wenn ich den ersten Satz nicht spannend fand, las ich nicht weiter. Doch wie schreibt man nun spannende Einleitungen? Im Grunde ist es relativ einfach, denn Sie erfinden das Rad nicht neu. Sie nutzen einfach nur das Strickmuster, das Journalist*innen in vielen Jahren professionellen Textens entwickelt haben und das ich oben dargestellt habe.

Perfekte Beispiele kann ich Ihnen hier nicht anbieten – denn dazu fehlt der konkrete Fall. Dennoch bin ich Ihnen natürlich schuldig zu zeigen, dass das Muster nicht nur für den Journalismus taugt. Journalistische Beispiele finden Sie jeden Tag zuhauf im Netz. Auch indem Sie dort Nachlesen, können Sie das Teasern lernen. Hier nun zur Veranschaulichung einige Beispiele für den Bewerbungskontext.

  • „Mit zwei Händen drei Geräte bedienen und dabei lächeln, geht das? Als ausgebildete und berufserfahrene Kauffrau für Bürokommunikation bringe ich Kundenorientierung und Kommunikationstalent mit. Zuletzt habe ich dies mehrfach bewiesen.“
  • „Viele Ingenieure machen ihren Job gut – doch manche machen ihn sehr gut. Nach zehn Jahren Berufserfahrung bin ich sicher, zu letzteren zu gehören. Warum das so ist?“
  • „Verpassen Sie nicht diese wesentliche Lektüre des Tages: Die folgenden Zeilen informieren Sie, warum ich genau die richtige Berufserfahrung und eine ausgeprägte Motivation für die Position des xy mitbringe. Warum bin ich so sicher, dass Sie mit mir eine gute Wahl treffen?“
  • „Zehn erfolgreiche Jahre im Beruf sprechen eine deutliche Sprache: Als Betriebswirt und Geschäftsführer eines engagierten Vereins habe ich vieles gelernt, was ich jetzt wirksam bei Ihnen einbringen möchte.“

Vielleicht gefällt Ihnen die eine oder andere Version nicht? Dann sind sie insofern richtig unterwegs, als ich Ihnen nur dringend davon abraten kann, jetzt eine dieser Formulierungen abzuschreiben! Finden Sie Ihre eigene, die auf Sie persönlich passt und mit der Sie sich wohl fühlen.

Dieser Text nutzt folgende Blog-Posts zu Teasern:

Kerstin Boll, Blattwerkstatt, Texterclub

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