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22.11.2017 Bewerbung

Bewerbung: Wie verhängnisvoll ist der Konjunktiv im Anschreiben?

„Über Ihre Einladung zum Vorstellungsgespräch würde ich mich freuen.“ Ein guter Satz? Oder ein sicherer Grund für die Absage auf Ihre Bewerbung? Was ist die richtige Sicht auf die Dinge?

Was Ratgeber schreiben und sich Bewerber merken

Erstaunlich, was nach einem Bewerbungsseminar bei den Teilnehmern hängen bleibt. Einer der Klassiker: „Man schreibt kein ‚würde‘ im Anschreiben!“ Das sitzt bombenfest im Gedächtnis und stellt nach dem Seminar geradezu eine Kernüberzeugung zur Karriere insgesamt dar. Tatsächlich findet sich dieser Hinweis zuverlässig nicht nur in jedem Seminar, sondern auch in jedem Bewerbungsratgeber und in nahezu allen Blogposts im Internet. Bloß kein Konjunktiv, um Himmels Willen, kein ‚würde mich freuen‘!

Was ist davon zu halten? Stimmt schon, der Tipp. Klar, es wirkt weniger selbstbewusst, wenn Sie sich freuen „würden“, als wenn Sie sich freuen. Besser also: „Auf Ihre Einladung zum Vorstellungsgespräch freue ich mich.“ Weil Sie nämlich überzeugt sind, ein gutes Profil für die Stelle aufzuweisen und daher eingeladen zu werden. Stimmt also, der Tipp. Aber: Es ist eine Kleinigkeit! Sowohl der Gebrauch des Wörtchens ‚würde‘, als auch eine unpassende Mindestqualifikation schaden Ihrer Bewerbung. Aber der Unterschied in der Auswirkung beider Punkte ist der zwischen einem leisen Lüftchen an einem heißen Sommertag und einem Herbst-Hurrican! Wenn wir eine leichte Bise als Starkwind klassifizieren, leiden wir unter einer verzerrten Optik.

Dass der Hinweis auf den Konjunktiv überall nachzulesen steht und ihn sich alle merken können, ist noch kein Hinweis auf die Auswirkung des Wörtchens. Im Gegenteil! Man kann sie sich leicht merken, weil die Regel klar und einfach ist und immer gilt. „Kein ‚würde‘ im Anschreiben.“ Fertig. Was aber ist mit der passenden Mindestqualifikation? Mit der geforderten Berufserfahrung? Mit dem tadellosen Lebenslauf? Das alles benötigen Sie! Und das sind Punkte, auf die es wirklich ankommt bei der Bewerberauswahl. Aber in einfache Regeln zu übersetzen ist das nicht. Man muss sich die einzelnen Ausschreibungen und die konkreten KandidatInnenprofile ansehen, um die Regeln anwenden zu können. Könnte ein Techniker sich auf eine für Ingenieure ausgeschriebene Stelle bewerben, wenn er die passende Berufserfahrung hat? Wie aussichtsreich ist eine Bewerbung einer gelernten Bürokauffrau für den Vertriebsinnendienst, wenn sie zwar jahrelange Erfahrung hat, aber die Stellenausschreibung eine Akademikerin fordert? Das gilt es von Fall zu beurteilen.

Worauf es bei der Bewerbung wirklich ankommt

Vieles von dem, was Sie in einem Bewerbungsratgeber lesen oder in einem entsprechenden Seminar lernen, fällt eher in die Kategorie Kleinigkeit. Zwar addieren sich viele kleine Fehlerchen auch. Dennoch spielen die oben genannten Punkte die entscheidende Rolle: Mindestqualifikation (Berufserfahrung kann oft adäquat angesehen werden), Branchenkenntnis, Erfahrung mit den relevanten Tätigkeiten, Lebenslauf, in gewisser Hinsicht Zeugnisse (passende Tätigkeit, Note – insgesamt).

Dementsprechend sieht es beim Vorstellungsgespräch aus. Am Ende entscheidet, ob Sie insgesamt einen guten Eindruck hinterlassen und zu Ihren Gesprächspartnern einen Draht aufbauen können. Kein Ausschlag geben wird dagegen, ob Ihre Hände auf dem Tisch lagen oder nicht. Und um gleich Ihre mögliche Rückfrage zu beantworten: Ja, es ist vorteilhaft, wenn man Ihre Hände sieht (statt dass Sie diese unterm Tisch „verstecken“). Aber überschätzen Sie die Wirkung von solchen Details nicht! Dass Sie mehrfach darauf hingewiesen werden und sich der Tipp vielleicht auch noch in diversen Bewerbungsratgebern findet, spricht mehr dafür: Erstens können sich alle Ratgeber darauf einigen, zweitens man kann eine simple Regel daraus stricken und drittens, die Ratsuchenden können es sich leicht merken. Aber das sind alles kleine Nummern!

Was dagegen wichtig ist: Die richtige Analyse Ihres Potentials mit der zugehörigen Stellenauswahl und die Bewerbung bei den Arbeitgebern, die sich für Sie interessieren (Unternehmensgröße etc.)! Und ferner: Just do it! Nur eine abgeschickte Bewerbung kann zum Ziel führen. Viel Erfolg!



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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