Anschreiben: So gelingt der erste Satz

running-498257_1280Das Bewerbungsanschreiben löst bei vielen Bewerbern den größten Respekt beim Erstellen der Bewerbungsunterlagen aus. Besonders der Anfang ist vielen ein Graus. Welche Fehler werden gemacht und wie gelingt der erste Satz?

Die drei klassischen Fehler

Erstens: Die Information wird gegeben, dass man die Anzeige gelesen hat. Zweitens: Der Leser wird informiert, dass man sich bewirbt. Drittens: Es wird mitgeteilt, wo und wann genau das Stellenangebot veröffentlicht wurde.

Beispiel für jenes Not-to-do, das leider sehr verbreitet ist: „Ihre Anzeige vom [Datum] in [Quelle] habe ich gelesen und bewerbe mich um die Position als xy.“

Das alles steht schon im Betreff bzw. Bezug! Oder es ergibt sich aus dem Zusammenhang: Nur wer die Anzeige gelesen hat, kann sie im Bezug anführen und sich darauf bewerben.

Eine andere Version:

„mit großem Interesse bewerbe ich mich auf Ihr Stellenangebot.“

Welches ist die Information, die hier zusätzlich gegeben wird? Richtig, das „große Interesse“. Das ist ja immerhin etwas. Und der Satz kommt kurz und flott daher. Wenn Ihnen also gar nichts anderes einfallen will, wäre dieser Einstieg in Ihren Text nicht dramatisch schlecht.

Es gibt allerdings günstigere Anfangssätze. Und vor allem existiert eine äußerst einfache Methode, um diesen kurzen, aber letztlich unnötigen ersten Satz zu vermeiden.

Einfache Methode für einen besseren ersten Satz

Die Methode ist: Streichen Sie den Satz! Falls Sie bisher mehrere oder umständlichere Sätze gewählt haben, die aber inhaltlich nicht mehr zu bieten hatten: Streichen Sie den ganzen Absatz!

Und dann betrachten Sie wohlwollend, ob Ihr Anschreiben nicht genau so beginnen kann, wie es jetzt, mit gestrichener Einleitung, da steht. In sehr vielen Fällen trifft genau dies zu. Das Anschreiben beginnt dann etwa mit „nach meinem Studium als xy“ oder „nach meiner Tätigkeit als xy“ oder mit „als studierter Dipl.-Ökonom …“ – wieso nicht?

Vielleicht möchten Sie dennoch mehr tun für Ihren Erfolg, als Überflüssiges zu streichen? Dann lesen Sie den folgenden Abschnitt.

Drei Tipps für den gelungenen Start

Erstens: Sehr gerne verwende ich als Erstes das Wörtchen „Sie“. Der Text beginnt dann mit „Sehr geehrte Frau Miller, Sie ….“ (… haben eine äußerst interessante Position ausgeschrieben / haben eine Stelle ausgeschrieben, die meinen Werdegang sehr gut fortsetzt / bieten eine Position an, auf die ich mich die letzten Jahre gründlich vorbereitet habe) … wie auch immer – es gibt zahllose Varianten, die hier möglich sind. Sie können auch eine sehr gute, komprimierte Zusammenfassung der ausgeschriebenen Position folgen lassen. Da dies den wenigsten Bewerbern gelingt, handelt es sich hierbei allerdings um eine Übung für höhere Ansprüche.

Der Vorteil des Beginns mit „Sie“ ist eine besondere Wertschätzung für das Gegenüber. Zudem wurde in empirischen Untersuchungen zu Werbebriefen nachgewiesenen: Wenn Personalpronomen, mit denen die Leser angesprochen werden (Sie, Ihr Unternehmen etc.) überwiegen,  sind die Schreiben nachweislich erfolgreicher.

Zweitens: Bieten Sie gleich zu Anfang einen hohen Maßstab an, an dem Sie sich messen lassen wollen. z.B. „für die von Ihnen ausgeschriebene Stelle bringe ich sowohl eine fundierte Ausbildung als auch die passende Berufserfahrung mit“. Ihre Leser denken nun: „Oho, selbstbewusst! Da bin ich mal gespannt, ob er / sie diese Messlatte wirklich nimmt“. Ideal ist dieser Start, wenn Sie tatsächlich gute Argumente für Ihre Bewerbung vorweisen können.

Drittens: Beginnen Sie sofort mit starken Argumenten für sich, die nicht jede/r vorzuweisen hat. Beispiel: „als Diplomingenieur der Elektrotechnik mit abgeschlossenem Zusatzstudium zum Wirtschaftsingenieur verfüge ich über die passende Qualifikation für die von Ihnen ausgeschriebene Stelle.“ Oder: „nach mehrjähriger Tätigkeit in x [passender Bereich] für die y AG [Top-Unternehmen] strebe ich einen Wechsel in z [angebotene Position] an.“ Auch dieser Beginn rückt Ihre Bewerbung schon im ersten Satz in Richtung des Stapels mit den Top-Bewerbern.

Fazit: Bewerbungsanschreiben einfach besser starten

Sie sehen also: Der gelungene Start in ein Anschreiben, das Ihnen entscheidende Vorteile bringt, ist nicht schwer. Vor allem sind die angebotenen Varianten relativ einfach umzusetzen.

Dazu passt:

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Stuttgart-Blog des Karriereberaters Dipl.-Psych. Christoph Burger. Für Ihre Karriere mit Charakter: Die persönliche Karriereberatung zu Festpreisen.

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