Porträt Christoph Burger
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11.01.2013 Allgemein, Karriere

Wenn Technik, Kultur und Gesellschaft zusammen finden

Wieso stand der Fahrer eines Straßenbahnwagens früher 12 Stunden lang, auch bei extremem Wetter, im Freien, sogar ohne Schutzscheibe? Die verblüffende Antwort: Der Scheibenwischer war noch nicht erfunden! Wer Kinder für Technik begeistern will oder den eigenen Horizont erweitern, ist im Stuttgarter Straßenbahnmuseum richtig.

Wenn Technik, Kultur und Gesellschaft zusammen kommen

Die Frage nach dem harten Stand früherer Lokführer und ihre Auflösung ist nur eine von vielen verblüffenden Entdeckungen, die man bei einer Führung im Stuttgarter Straßenbahnmuseum machen kann. Gerade die Verbindung von Technik, Kultur und Gesellschaft hat mich begeistert. Weil es noch keinen Scheibenwischer gab, war der Fahrer also Wind und Wetter ausgeliefert. Die Schuhe, die ihm ermöglichen sollten, seine 12-Stunden-Standschichten zu überstehen, sind ebenfalls ausgestellt: Sie hatten gigantische Ausmaße. Die Geschichte ist typisch. Immer wieder waren es einzelne, aus heutiger Sicht simple, Erfindungen, die den Alltag umkrempelten.

Dann sitzen wir in einer anderen historischen Bahn, die nach dem Krieg unterwegs war. Die Beleuchtung hatte es in sich. Rechts und links war eine Reihe Glühbirnen eingeschraubt. Nach dem Krieg in speziellen, nicht-handelsüblichen Fassungen: Sonst wären die Birnen innerhalb einer Fahrt abhanden gekommen. Ein Problem war die Reihenschaltung: Sobald eine Birne ausfiel, war es dunkel. Die verblüffende Notbeleuchtung für diesen Fall war in speziellen Behältern untergebracht – mehr sei hier nicht verraten.

Ursprünglich hatte ich gedacht, meine Buchung würde zu einer halben Stunde relativ langweiligem Nennen des Baujahres dieser und jener Bahn führen. Was wir dagegen bekamen, war eine Fülle von Geschichten, die die Vergangenheit anschaulich machten. Vorgetragen von einem echten Straßenbahn-Fan, Vertreter des Vereins, der das Museum erst möglich machte.

Die SSB und ihr Museum

Früher trug man Burgen ab, um mit den Steinen Häuser zu bauen. Für die historische Bedeutung der ursprünglichen Bauwerke gab es keinerlei Gespür. Das war vor einigen hundert Jahren und mir durchaus bekannt. In der „Straßenbahnwelt“ – so der Name des Museums – erfuhr ich, dass im Falle der Straßenbahnen erst mit einem Jubiläum 1968 der Gedanke aufkam, die alten Originale könnten interessant sein. Davor wurden die Bahnen ebenso verschrottet, wie früher die Bauwerke abgetragen.

Eine andere Geschichte: Die Stuttgarter Straßenbahnen wurden nach mehreren Jahrzehnten des Gebrauchs aussortiert und an einige deutsche Städte verscherbelt. Dort lackierte man sie um und sie fanden zunächst wiederum ein paar Jahrzehnte ihre Fahrgäste. Doch dann endete ihr Aufenthalt in Deutschland. Man verkaufte sie weiter gen Osten. Dort gibt es ein paar Städte, in denen diese in den verschiedensten Farben lackierten ehemaligen Stuttgarter Bahnen wieder zusammen fanden. Unser Führer zeigte uns Bilder davon und strahlte: „Wie eine Familienzusammenführung!“ Möglich wurde diese Geschichte erst durch die – im Vergleich zum Auto – ungeheure Langlebigkeit der Bahnen.

All dies bekommen Sie für wenig Geld gezeigt und – falls gebucht – auch erzählt. Das Museum erreichen Sie vom Bahnhof Bad Cannstatt aus, d.h. 1 Station vom Stuttgarter Hauptbahnhof entfernt (plus 5 Minuten Fußweg). Wollen Sie Ihre Schulklasse oder Ihre Kinder für Technik begeistern? Möchten Sie mehr über die jüngere Geschichte erfahren oder sich selbst als Techniker oder Ingenieur frische Inspiration holen? Hier sind Sie richtig!

Tipp: Planen Sie Ihren Besuch in wärmeren Tagen ein, da die große Halle kaum beheizt wird.

Hier der Link zum Museum

Die Lokalität ist auch für Betriebsfeiern und Kulturevents buchbar!



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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