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18.02.2017 Karriere

Vorstellungsgespräch: Haken Sie nach einer Absage nach

Bewerbungstipp: Haken Sie nach einer Absage nach

Sie haben nach einem Vorstellungsgespräch eine Absage bekommen? Hier empfehle ich unbedingt, telefonisch nachzuhaken. Mit welchem Vorgehen Sie dabei den gewünschten Erfolg erzielen, können Sie in einem Telefonleitfaden lesen.

Schriftliche Absage Ihrer Bewerbung

In der Regel ist es völlig egal, mit welchem Text Ihnen abgesagt wurde: Sie erhalten lediglich allgemeine Standard-Formulierungen. Es lohnt sich in der Regel NICHT, über diesen Text nachzudenken. Seit das Arbeitnehmer Gleichstellungsgesetz (AGG) beschlossen wurde, riskieren die absagenden Unternehmen, drei Brutto-Monatsgehälter an juristisch vorgehende Bewerber zahlen zu müssen. Also formulieren Sie einen Standard-Absage-Text für ALLE Fälle. Dieser kann sehr freundlich und individuell klingen. Dennoch handelt es sich um einen vorformulierten Standard. Die – seltenen – Ausnahmen erkennen Sie dann, wenn Sie sich fragen: „Könnte dieser Brief prinzipiell in allen Fällen verschickt werden?“ Nur wenn Sie diese Frage eindeutig mit „Nein“ beantworten können, lohnt es sich, das Schreiben genauer zu beleuchten.

Fazit: Ihr Absagebrief enthält in der Regel nur den Inhalt, dass Sie diese Stelle (vorläufig) nicht bekommen. Egal, wie er formuliert ist.

Warum Nachhaken? Warum telefonisch?

Wenn Sie die obigen Erläuterungen auf Ihre nun geplante Nachhak-Aktion übertragen, wird schnell klar, dass Sie nur am Telefon eine Chance haben, etwas über die wahren Gründe für die Absage zu erfahren. Alles Schriftliche birgt aus Unternehmenssicht das oben beschriebene Risiko. (Dass die Arbeitgeber vielleicht hier etwas zu übervorsichtig sind, klammern wir aus. Das muss an anderer Stelle diskutiert werden).

Durch das telefonische Nachhaken erzielen Sie mehrere Vorteile

  1. Sie erfahren unter Umständen die realen Gründe für die Absage und können so Rückschlüsse für Ihr weiteres Vorgehen bei der Stellensuche ziehen
  2. Sie bringen sich für künftige Vakanzen bei diesem Unternehmen in Stellung

Ich glaube – dies zum ersten Punkt – nicht, dass die andere Seite Ihnen am Telefon haarklein die wirklichen Gründe für die Absage erläutert. Aber Sie bekommen vielleicht Hinweise, die Ihnen weiter helfen.

Zum zweiten Punkt: Ich weiß von manchen Personalentscheidern, dass sie sich nach einer Bewerber-Absage nicht trauen, den Bewerber erneut anzusprechen. Etwa, wenn der Kandidat, der bevorzugt wurde, sich als Fehlbesetzung entpuppt. Ihr Anruf verleiht diesen Partnern den Mut, Sie zu kontaktieren. Denn Ihre Botschaft ist: „ich bin nicht sauer – behaltet mich im Gedächtnis“.

Wie Nachhaken? Ein Telefonleitfaden

Das Ziel Ihres Anrufes ist es also, die andere Seite zu ermutigen, trotz der Gefahr des AGG echte Gründe für die Absage zu nennen. Weiterhin müssen Sie deutlich machen, dass Sie an weiteren Kontakten interessiert sind. Letzteres selbstverständlich nur für den Fall, dass dies zutrifft – wenn Sie nach dem Vorstellungsgespräch den Eindruck gewonnen haben, dass Sie nie im Leben für diese Firma arbeiten würden, brauchen Sie natürlich nicht nachzuhaken. Wie gehen Sie im anderen Fall vor? Hier der Telefonleitfaden:

  1. Dank für das Gespräch
  2. Positiven Eindruck bestätigen
  3. Bedauern der Absage
  4. Ermuntern, Sie bei späterer Gelegenheit zu kontaktieren
  5. Ihre Situation darstellen, dass Sie sich leider weiter bewerben müssen
  6. Bitte um Angabe der Gründe für die Absage

Es ist wichtig, dass Sie diese Schritte so am Telefon durchgehen, wie hier aufgeführt. Denn damit erhöhen Sie die Chance massiv, den Zweck Ihres Anrufs zu erreichen. Als ausformulierter Text könnte das dann so klingen:

„Guten Tag Frau x, Ihre Absage habe ich erhalten. Ich rufe Sie an, um mich für das Gespräch zu bedanken. Ich hatte einen sehr positiven Eindruck von Ihrem Unternehmen und hätte gerne die Position bei Ihnen übernommen. Schade, dass es nicht geklappt hat. Vielleicht ergibt sich später eine andere Gelegenheit, bei der wir zusammen kommen? Das würde mich freuen! Aber zunächst muss ich mich ja leider weiter bewerben. Da wäre es sehr hilfreich, von Ihnen zu erfahren, was die Gründe für die Absage in diesem Fall waren. Können Sie mir hier ein wenig weiter helfen? Das wäre schön!“

Zu erwartende Ergebnisse Ihres Telefonats

Wie gesagt, ich erwarte nicht, dass Ihnen nun die Absagegründe direkt genannt werden. In vielen Fällen bekommen Sie aber etwas gesagt, mit dem Sie bei genauerem Nachdenken und „Zwischen-den-Zeilen-lesen“ etwas anfangen können. Ein paar Beispiele zur Veranschaulichung:

Diese Beispiele dienen wirklich nur dazu, dass Sie sich in etwa vorstellen können, wie solche Telefonate grundsätzlich ablaufen können. D.h. auch das, was ich als „Ihre Reaktion“ formuliert habe, sind nur Beispiele, die Sie je nach Gesprächssituation abwandeln müssen. Es geht darum, einen Draht zur anderen Seite aufzubauen, ein positives Gespräch zu führen und etwas daraus mitzunehmen.

Egal, wie kooperativ sich Ihr Gesprächspartner verhält: In jedem Fall ist es gut, nochmal ins Gespräch zu kommen. Oft können Sie zwischen den Zeilen einiges heraushören können. (Falls nicht: Natürlich sollten Sie der Personalabteilung nicht mit regelrechtem Nachbohren und Insistieren auf die Nerven fallen.)

Die geringsten Chancen auf eine ehrliche Antwort haben Sie übrigens dann, wenn der Absage-Grund rein persönlicher Natur ist. Kaum ein HR-ler wird Ihnen am Telefon erklären „Ihre Nase hat uns einfach nicht gepasst – Sie waren uns unsympathisch.“ Oder gar: „Na wissen Sie, Ihr Kleidungsstil, naja, das sollten Sie mal überdenken.“

Ob Sie nun aus den Absagegründen restlos schlau werden oder nicht: In jedem Fall haben Sie es versucht. Oft werden Sie hilfreiche Hinweise bekommen. Und immer haben Sie Ihre Bereitschaft bekundet, sich weiterhin für eine Stelle in diesem Unternehmen zu interessieren und die Hürde für die andere Seite gesenkt, sich im Zweifel aktiv an Sie zu wenden oder eine spätere Bewerbung Ihrerseits wohlwollend zu behandeln.



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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