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19.12.2016 Karriere

Bewerbungen im Praxistest: DEN häufigsten Fehler vermeiden

Bewerbungen im Praxistest

Welche Qualität haben Bewerbungen? Und vor allem: Wo hakt es? Wir haben eine Personalexpertin beauftragt, dies zu prüfen. Im Ergebnis kommt sie zu einer Hauptaussage. Diese deckt sich mit meiner langjährigen Erfahrung und daher möchte sie heute mit Ihnen teilen.

Beratungsprojekt

Kurz zu den Hintergründen des Projekts. Es ging um die Prüfung der Qualität und letztlich die Förderung des Bewerbungsverhaltens sowohl in der schriftlichen Form als auch im Vorstellungsgespräch. Teilgenommen haben 12 Personen. Alle hatten ein Bewerbungstraining – mit umfassenden Informationen zum Thema – besucht. Die beruflichen und persönlichen Profile waren verschieden. Dementsprechend vielfältig fielen die Ergebnisse der Bewerbungsbemühungen im Detail aus. Trotz dieser Vielfalt an Verbesserungspotential im Einzelfall war das Fazit: ALLE 12 Personen begingen einen Hauptfehler.

Prüfung der schriftlichen Bewerbung: Hauptergebnisse

Dieser Hauptfehler kommt in folgendem Fazit der beauftragten Personalexpertin zum Ausdruck:

  1. „Insgesamt machen die Unterlagen auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck, die meisten sind jedoch in Bezug auf Inhalt und Formulierungen optimierbar, bei einigen gibt es echten Korrekturbedarf“
  2. „Sehr oft war die Passgenauigkeit zur Stelle eindeutig vorhanden, aber nicht auf Anhieb aus den Unterlagen erkennbar, sondern versteckt zwischen den Zeilen oder gar nur im Zeugnis.“

Auf den Punkt gebracht:

Die Optik stimmte, der Inhalt nicht!

Seit nunmehr zwanzig Jahren beobachte ich das: Wer die „Optimierung der Bewerbungsunterlagen“ anstrebt, hat meist das Design im Blick.

Doch, wo es um Bewerberauswahl und Stellenbesetzung geht, gilt: „Passung“ ist das Schlüsselwort! Wer passt, wird eingestellt. Wer nicht passt, bleibt außen vor. Das gilt für jeden Fall und auf allen Hierarchieebenen.

Zu diesem Hauptweg zur neuen Stelle gibt es vor allem einen alternativen Schleichweg: Die Motivation. Sie kommt dann zum Tragen, wenn kein ausreichend qualifizierter Bewerber gefunden wird. Wie aber zeigen Sie Ihre Motivation? Sie setzen sich genau mit den Anforderungen auseinander, die zu erfüllen sind. Und dann argumentieren Sie, warum die Stelle trotzdem für Sie erlernbar ist. Andersherum: Sie zeigen Ihre Motivation NICHT, indem Sie ein hübsches Design verwenden – das Sie heute „an jeder Ecke des Internets“ herunter laden können.

Damit führt auch der Ich-kanns-noch-nicht-aber-bin-motiviert-Nebenpfad über den Inhalt der Bewerbung!

Umgekehrt und damit verkehrt läuft es offensichtlich in der Praxis: Nicht einmal, wenn Bewerber besonders geeignet sind, drücken Sie dies in ihrer Bewerbung aus!  Einerseits ist das verblüffend. Andererseits ist das nicht unerklärlich. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung vermute ich vor allem einen der beiden folgenden Gedanken hinter diesem selbstschädigenden Verhalten.

Erstens: Manche Bewerber meinen, Personaler würden die Informationen schon in den Zeugnissen finden. Würden sie aber nicht! Einfach weil Personalentscheider in vielen Fällen gar nicht ins „Kleingedruckte der Zeugnisse“ einsteigen, nachdem Anschreiben und Lebenslauf nicht überzeugt haben.

Zweitens kommt zuweilen folgender Gedanke zum Tragen: „im Vorstellungsgespräch kommen wir dann schon darauf zu sprechen und ich kann das da noch erläutern.“ Können Sie nicht! Weil Sie ohne wirklich aussagekräftige schriftliche Bewerbung gar nicht erst zum Gespräch eingeladen werden.

Beide Gedanken sind auf den ersten Blick einleuchtend. Beim näheren Hinsehen offenbart sich aber, dass sie in der Praxis nur zu Absagen führen. Beherzigen Sie daher folgende

Tipps für die erfolgreiche Bewerbung

Letztere Empfehlung verdankt sich folgender Beobachtung: Häufiger sind die wirklich guten Argumente in der Bewerbung sogar aufgeführt. Aber man muss sie wie die Stecknadel suchen in einem Heuhaufen von allgemeinen Bewerbungsphrasen und nichtssagender Behauptung von allerlei – unüberprüften – Stärken. Übrigens gibt es die direkte Entsprechung zur Überbetonung des Designs: die Bewerbungsphrasen klingen gut und Soft Skills klingen gut. Aber das wars – kein Inhalt dahinter!

Machen Sie es wie der gute Bildhauer

Das Zuschütten von relevanten Informationen lässt sich in folgendes Bild fassen: Ein begabter Steinbildhauer wurde gefragt, wie er seine Figuren so kunstfertig herstelle. Er antwortete: „Sehen Sie den groben Steinklotz dahinten? So sieht es am Anfang immer aus. Und dann haue ich einfach weg, was nicht zur Figur gehört!“

Gehen Sie mit dieser Vorstellung an die Bewerbung heran: Konzentrieren Sie sich auf den wesentlichen Inhalt! Die Stellenanzeige liefert Ihnen einen 1a-Plan dafür, was Sie aus Ihrem Text „weghauen“ müssen.



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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