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10.03.2017 Karriere

Karriereplanung: Wie finde ich den richtigen Arbeitgeber?

Diese Frage beantworte ich in Coachings bzw. Beratungen in letzter Zeit häufiger. Unterlegt ist sie häufig mit der Skepsis, für sich das Richige finden zu können. Und mit der Überzeugung, ein Unternehmen nicht „von außen“ beurteilen zu könnnen. Hier einige Ansätze, die zeigen, dass dies gar nicht so schwer ist.

Limbic-Check

Zu Beginn einer Beratung erkläre ich meist die Einstufung der Persönlichkeit und der Arbeitgeber nach den limbischen Instruktionen. Hier geht es weniger um eine genaue Messung. Es ist vielmehr ein kleiner Hinweisgeber (wenn auch vor dem Hintergrund eines weitreichenden Modells).

Sie können sich danach in drei Richtungen bewegen: Dominanz (Macht), Stimulanz (Neuigkeiten), Balance (alles beim Gewohnten und Stabilen belassen). Dementsprechend lassen sich auch Unternehmen beurteilen.

Ein dominanzorientiertes Unternehmen ist beispielsweise Media-Markt. In Riesen-Lettern auf grell-rotem Hintergrund hieß es: „Ich bin doch nicht doof!“. Unausgesprochen: Die anderen schon! Hier geht es um Dominanz, Konkurrenz, Der-Beste-sein. Wenn Sie selbst vor allem danach streben, sind Sie bei einem solchen Arbeitgeber richtig.

Viele Unternehmen erklären ihren Anspruch, die besten sein zu wollen. Wenn es dabei bleibt und keine weiteren Werte oder Orientierungen dazu gestellt werden (Menschen / Mitarbeiter etc.), entspricht dies meist der Dominanzorientierung.

Eine andere Richtung repräsentiert beispielsweise Ikea. Die Farben sind gelb und blau. Die Marke steht für immer neue Ideen und vielfältiges Design. Ikea sucht Leute, die seine limbische Orientierung nach Stimulanz teilen, die gerne entwickeln, gestalten wollen.

Nochmals anders: dm-Drogeriemarkt. Pastell-Farben, „hier bin ich Mensch, hier kauf‘ ich ein“. Passendes Mitarbeiter-Profil für dm: Selber denken, mitreden und -gestalten wollen, statt auf Anweisungen zu reagieren. Diese Mitarbeiter sucht dm und sie werden dort auch zufrieden sein.

(Entwickler und wissenschaftlich-fundierter Anwender dieses Ansatzes ist Hans-Georg Häusel – Link)

Richtige Unternehmenskultur

Analysieren Sie Ihre bisherigen Arbeitsverhältnisse. Sind Sie eher in großen oder kleineren Unternehmen zu Hause? Was ist Ihnen bei der Unternehmenskultur wichtig? Was hat Sie bisher vor allem gestört? Ebenfalls Teil meiner Beratung ist die diesbezügliche Analyse des Lebenslaufs, aber auch eine organisationskulturelle Beschreibung des letzten Arbeitgebers und ein Abgleich mit dem idealen Job.

Wenn es ein oder zwei zentrale Ärgernisse an der letzten Arbeitsstelle gab, ist es für die künftige Zufriedenheit oft wichtig, dass sich genau diese Punkte beim nächsten Job anders gestalten. Sie markieren sozusagen die Hot-Spots eines vorhandenen Frustes. Selbstverständlich sollten Sie trotzdem auf weitere Aspekte der zukünftigen Stelle achten.

Arbeitgeber-Bewertungsportale: Kununu & Co.

Schauen Sie ins bekannte Firmenbewertungsportal (kununu). Dort finden Sie die Unternehmensbewertung per Gesamt-Punktzahl  sowie die Branchen-Relation und Einzelbewertungen. Sie lesen außerdem Bewertungen in individueller Wortwahl – die so Manches über den Bewerter und die Seriösität seines Urteils aussagen. Wenn einer beispielsweise „miesester Arbeitgeber ever“ schreibt und dem Unternehmen in allen Aspekten die schlechteste Note verpasst, können Sie wohl kaum etwas auf dieses Urteil geben. Dazu kommt der Jobstatus: Der Eintrag „ehemaliger Job“ in Kombination mit einer lausigen Bewertung legt nahe, dass sich hier einer für die Kündigung rächen wollte.

Bei Großunternehmen und entsprechend vielen Bewertungen sollten Sie außerdem auf die Management-Ebene und den Einsatzort achten. Kann schon sein, dass es bei diesem Arbeigeber in Aachen kaum auszuhalten, aber in Zwiefalten prima ist. Vielleicht sind auch Manager sehr zufrieden, während Büroangestellte nur noch das Weite suchen.

Andere Bewertungsportale wären jobvoting sowie das international sehr gut vertretene, seit einiger Zeit auch hier aktive glassdoor. Dort können Sie Bewertungen allerdings erst einsehen, wenn Sie selbst Ihren Arbeitgeber eingestuft haben (incl. Gehaltsangabe). Die Folge: Sie bekommen regelmäßige Job-E-Mails (die sich aber abbestellen lassen). Glassdoor bietet außerdem Informationen über Gehälter.

Xing-Analyse

Haben Sie ein windiges Unternehmen vor sich, bei dem es kaum jemand lange aushält? Diese Frage lässt sich gut mit einem Xing-(Premium)-Account untersuchen. Tragen Sie die fragliche Firma ins entsprechende Feld der erweiterten Mitglieder-Suche ein. Als Ergebnis erhalten Sie alle xing-Mitglieder, die bei diesem Arbeitgeber aktiv sind oder waren.

Jetzt vergleichen Sie: Wie lange waren die Xing-Mitglieder dort beschäftigt? Haben Sie sich im Unternehmen sinnvoll weiterentwickelt oder diente Ihnen der Arbeitgeber als Sprungbrett? Längere Zugehörigkeit spricht für eine gute Arbeit, eine positive Weiterentwicklung ebenfalls. Oder fällt es Ihnen ins Auge, dass die Xing-Profile eine sehr kurze Beschäftigungsdauer anzeigen? Möglicherweise sogar gefolgt von Arbeitslosigkeit? Vorsicht vor diesem Arbeitgeber! Ähnlich geht das natürlich auch bei Lindedin.

Gestaltung der Karriereseite

Zuweilen – gar nicht so selten – findet man Unternehmen, bei denen „der Mensch im Mittelpunkt“ steht, wie sie schreiben. Und der Rest der Internetpräsenz handelt von den besonders wertigen Produkten, dem fantastischen Service für die Kunden und von Bestellmöglichkeiten und Preisen. Der Mensch – als Mitarbeiter – taucht nicht mehr auf. Was ist davon zu halten? Wahrscheinlich dachte sich das Unternehmen, es müsse, um Kandidaten anzulocken, einen Satz wie den obigen einflechten. Im Vergleich mit allem anderen spielen Menschen jedoch eine eher untergeordnete Rolle im Betrieb, so ist zu vermuten.

Anderen Webseiten merkt man dagegen an, dass die Unternehmen um ihre Mitarbeiter bemüht sind. Sie belassen es nicht mit einem lapidaren Satz, sondern führen in einem sorgfältig ausgearbeiteten Text aus, was sie unter einer guten Firmenkultur verstehen. Die Mitarbeiter werden im Leitbild des Unternehmens auf prominente Weise gewürdigt. Vielleicht kommen einige von ihnen auf der Karriereseite selbst zu Wort oder werden im Bild gezeigt. Bewerber werden willkommen geheißen und gut informiert, z.B. über die ausgeschriebenen Stellen, ob und in welcher Form (Initiativ-)Bewerbungen willkommen sind etc.. Es gibt viele Möglichkeiten, eine gute Mitarbeiterpolitik zu leben.

Greatplacetowork und Top-Arbeitgeber

Greatplacetowork und einige andere professionelle Bewerter nehmen in der Regel eine Prüf- oder Bearbeitungsgebühr von Unternehmen. Dann werden Mitarbeiter interviewt oder andere Methoden angewandt, um die Qualität des Arbeitgebers einzustufen. Wenn es gut läuft, findet dann ein Vergleich der angetretenen Unternehmen statt und nur diejenigen, die darin gut abschneiden, bekommen ein Gütesiegel. Alle aber erhalten detaillierte Hinweise, um sich verbessern zu können.

Die „Top-Arbeitgeber“-Listen sind meines Erachtens kritisch zu sehen, bzw. führen häufig zum Missverständnis: Bei den Bestplatzierten werde ich am zufriedensten sein. Aber was für die einen gut ist, muss es nicht für andere sein. In Befragungen – ein anderer Weg,  gute Arbeitgeber zu ermitteln – scheint ein hohes Gehaltsniveau immer ein Mittel für Arbeitgeber zu sein, um sich oben auf den Listen zu behaupten. Identisch mit einem guten Arbeitgeber ist das Gehalt aber doch wohl nicht (mehr zu meiner Einstellung dazu: Der Unsinn mit den Top-Arbeitgebern) (Ausführlicher Spiegel-Artikel mit Hintergründen und Kritik)

Zwischen den Zeilen: Ihre Eindrücke vom Unternehmen

Machen Sie Ihre eigenen Beobachtungen. Wurden Sie zum Vorstellungsgespräch rechtzeitig und freundlich eingeladen und gut informiert? Beispielsweise, welche Interviewer dabei sein werden? Wie war das Gesprächsklima? Wie wurden Ihre „kritischen“ Fragen zum Unternehmen beantwortet? Diese können ins „umgedrehte Vorstellungsgespräch“ hinein reichen. Warum fragen Sie nicht mal das Unternehmen, wie man Sie zu fördern gedenkt und sich Ihre Entwicklung in den nächsten Jahren vorstellt?

Wenn irgend möglich, sammeln Sie zusätzlich zu den Vorstellungsgesprächen weitere Eindrücke, beispielsweise bei einer Arbeitsplatzbesichtigung, einem Probetag, einer Messe oder einem informellen Treffen.

Wie Sie sehen: Es gibt sehr viele relevante Optionen, um den richtigen Arbeitgeber für Ihre Bedürfnisse ausfindig zu machen. Auf der Basis Ihrer – ausgearbeiteten – Zielvorstellung, einer guten Bewerbungsstrategie und repräsentativen Unterlagen werden Sie dort auch gut ankommen.

Nachtrag: Die Bloggerin Dagmar Dörner hat hier einige Fragen gesammelt, mit denen Sie im Vorstellungsgespräch erfahren können, wie Ihr zukünftiger Arbeitgeber tickt. Ich persönlich finde sie in der Formulierung zu flapsig, aber das hängt von der Person und vom Gesprächsklima ab. Inhaltlich sind sie auf jeden Fall eine prima Anregung!



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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