Sind Sie bereit, Verantwortung abzugeben? Berufswahl-Hilfe für Abitur-Kids

Sie sind selbst bereit, Verantwortung zu übernehmen? Gut so.  Ihr Kind macht gerade Abitur und Sie wollen das Studienfach klären helfen? Dann lernen Sie zusätzlich, Verantwortung abzugeben.

Blick zurück: Kleinkinder fördern

Vor einiger Zeit hatte ich mit einem Blogpost provoziert. Ich fragte: Wie kriegen Sie Ihr Kleinkind karrierefit? So merkwürdig diese Frage klingen mag: Tatsächlich können Sie, indem Sie Ihr Kleinkind fördern, auch den späteren Berufsweg ebnen. Das geht weniger mit Kursen wie “Chinesisch für Babys”. Stattdessen bietet es sich an, dass Sie die kindliche Fähigkeit fördern, Verantwortung zu übernehmen.

Dabei gilt es, altersentsprechende Wege zu finden. Als beispielsweise mein Sohn im Kleinkindalter seine Kleider beim Umziehen auf den Boden warf, musste ich mich zwingen, sie nicht selbst aufzuheben. Jetzt, mit einem Vorpubertären, muss ich mich im Zaum halten, seinen Putzdienst nicht schnell mit zu erledigen. Viel leichter und angenehmer wäre das. Aber, muss ich mich selbst ermahnen, das Wichtigste ist es nicht, das Haus sauber zu bekommen. Sondern, dass der Junge seine Lektion fürs Leben lernt.

Hach, Pubertät

Mit der Pubertät endet die Erziehung. Grundsätzlich trifft das Kind nun in vielen Bereichen eigene Entscheidungen. Die Eltern werden zu Sparring-Partnern. Was kann das konkret bedeuten? Nehmen wir an, Ihr pubertierendes Kind verliert die Lust daran, sein Musikinstrument zu üben. Klar ist für Sie als Eltern: Wer nicht übt, bekommt keinen Musikunterricht bezahlt. Doch, wie es weiter geht, muss der Teenager selbst entscheiden.

Ich erinnere mich noch: Sehnlichst hätte sich meine Tochter gewünscht, dass wir Eltern das für sie entscheiden. Aber sie musste es selbst tun. Das Ergebnis war, dass sie sich – für uns überraschend – für den Unterricht entschied. Plötzlich übte sie wieder fleißig. Und ein halbes Jahr später war klar, dass nun, mit dem Wieder-Erschlaffen des Fleisses beim Üben auch die Pianistinnen-Karriere beerdigt wurde.

Abiturienten vor der Qual der Wahl

Abiturienten haben die Pubertät hinter sich und unzählige mögliche Berufswege vor sich. Viele empfinden einen großen Druck, jetzt die richtige Entscheidung zu treffen. Wie unterstützen Sie Ihr Kind dabei?

Wichtig ist, die Sichtweise auf den Beruf breit zu gestalten. So kann man trotz Studienberechtigung eine duale Ausbildung machen. Suchen Sie nach Berufsfeldern, die den Stärken des Kindes entsprechen. Ist es etwa eher naturwissenschaftlich oder sprachlich orientiert? Dann denken Sie bei Naturwissenschaften nicht nur an Physik und bei Sprachen nicht nur an ein Fremdsprachen-Studium. Das berufenet der Arbeitsagentur bietet beste Möglichkeiten, die Perspektive zu erweitern. Regen Sie zu einem Blick in die Jobampel des Stern an, die eine grobe Einschätzung des Arbeitsmarktes erlaubt. Vielleicht finanzieren Sie für wenig Geld den hilfreichen geva-Test.

Von der breiten Internet-Recherche ausgehend wird es nun etwas eingegrenzter: Nutzen Sie Ihre Kontakte, um Ihrem Kind ein Interview mit Berufspraktikern oder einen Schnuppertag in den Ferien zu ermöglichen.

Im Ausschlussverfahren weiter

Sind ausreichend Optionen durch den Ausschluss von Berufen weggefallen, können die Favoriten näher betrachtet werden. Beispielsweise könnten nun mehrere Interviews oder ein mehrtägiges Praktikum folgen. Auch der Besuch er Universität hilft spätestens jetzt weiter.

Immer noch ratlos?

Ohne ausreichende, eigene Motivation des Kindes droht die falsche Entscheidung, ein späterer Studienabbruch. Jetzt kann er noch vermieden werden. Auch wenn es den Eltern aus verständlichen Gründen missfällt, müssen Sie sich in Geduld üben, eben Verantwortung abgeben. Ist Ihr Kind nicht zu einer eigenen Entscheidung fähig, schicken Sie es lieber auf Tour. Aupair, Praktikum, Auslansjahr, FSJ, BFD etc. bieten genügend Möglichkeit, die Welt und sich selbst besser kennen zu lernen. Gerade in Zeiten des G8 ist dies angebracht und häufig nötig.

Der Impuls für einen Beruf muss letztlich vom Kind selbst kommen. Zwingen Sie sich zur Zurückhaltung! Je mehr man sie schon beim Kleinkind geübt hat – und das ist hart -, desto leichter fällt sie jetzt. Sie übernehmen hier Verantwortung, indem Sie die Verantwortung abgeben.

Was Sie zum Thema lesen können: Ein hervorragendes Buch dazu hat Svenja Hofert vorgelegt.
Was Sie noch tun können: Eine Karriereberatung hilft, den Prozess systematisch und kompetent zu begleiten.

Hier berichte ich über einen Selbstversuch mit dem SIT Online-Test zum Studieninteresse.

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