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21.01.2016 Karriere

Schema F in Personalabteilungen

„Welche Berufschancen habe ich?“ – das möchten viele Kunden meiner Karriereberatung wissen. Sie haben das Gefühl, in Personalabteilungen werden Sie nach Schema F behandelt. Kann das sein? Und was bedeutet das für die Chancen, mit seiner Bewerbung erfolgreich zu sein?

Das Schema F in Personalabteilungen

Von Schema F wird gesprochen, „wenn etwas bürokratisch-routinemäßig, stereotyp, mechanisch oder gedankenlos abläuft“, schreibt Wikipedia. Nicht gerade ein Kompliment an die HR-Kollegen, falls das zutrifft.

Tatsächlich vermuten viele dennoch, dass Personalabteilungen genau so arbeiten. Konkreter werden beispielsweise folgende Sätze in den Raum gestellt: „Ab fünfzig gehört man zum alten Eisen“ heißt es etwa. Oder: „Ohne Ausbildung bist du nichts“. Oder auch: „Man braucht Berufserfahrung, am besten in der Branche“. Diese Aussagen treffen nicht immer zu. Aber sie beschreiben das Schema F: Ein grob vereinfachendes Raster, eben routinemäßiges, stereotypisierendes Vorgehen.

Sogar das Konkretisieren im eigenen, persönlichen Fall, gelingt meist ohne Karriere-Expertentum. In eigener Sache stellt man dann beispielsweise fest: „Ich bin Quereinsteiger, das bricht mir das Genick“. Oder: „Ich habe für das, was ich mache, nie eine offizielle Prüfung abgelegt, das macht mir das Leben schwer“. Oder auch: „Für andere Absolventen, die Praktika und Auslandserfahrung mitbringen, ist es leichter.“ Ja, genau so geht Schema F.

Personalentscheidungen 08/15

Was aber, wenn einer in der Praxis mehr gelernt hat, als andere an der Uni? Oder wenn ein studierter Kunsthistoriker nach einigen Jahren im Job bessere Finanzentscheidungen trifft, als jeder Betriebswirt? Dann greift offensichtlich kein Schema F mehr. Der Praktiker und der Kunsthistoriker fallen zusammen mit vielen anderen Quereinsteigern und unzertifizierten Talenten durchs Raster.

Schade! Mit Recht könnten Sie sich empören. Allerdings spricht der Einzelfall, so berechtigt er Einspruch erhebt, leider nicht grundsätzlich gegen das mechanische Handhaben eines groben Rasters. Denn es bietet ein schnell funktionierendes Sortiersystem für Kandidaten und spart Zeit und damit Geld. Mit dem Sortierauftrag „alle ab Geburtsjahrgang 1970 behalten, Rest Absage“ ist man schnell durch. Und mit dem Auftrag „alle Akademiker okay, Rest Absage“ kommt jede Praktikantin und jeder Praktikant zurecht. Anders gesagt: Das Schema F führt zu in jedem Fall schnellen und dazu häufig zutreffenden Ergebnissen. Insofern wird es oftmals zu Recht bemüht. Mag sein, dass das ungerecht ist. Aber die Moral hilft wenig, für die Betroffenen ist die Ungerechtigkeit ein unbarmherziger Fakt. Also: Keine Chance für alle, die keine Stromlinienform aufweisen?

Nein! Denn man kann es auch so sehen: Für alle, die durchs Raster fallen, gibt es schlicht ein Kommunikationsproblem. Ihre Frage lautet: Wie erkläre ich einer nach Schema F-urteilenden Personalabteilung, dass ich den Job beherrsche? Wie mache ich mein Profil deutlich, so dass ich nicht durchs Raster falle? Wie weise ich schon in den Unterlagen und dann auch im Vorstellungsgespräch so deutlich auf meine Kompetenz hin, dass sie auffällt?

Individuelle Karrierestrategie

Das alles sind berechtigte Fragen. Die Antworten fallen individuell aus und sind nicht trivial. Profi-Fragen eben. Fälle für die individuelle Karriereberatung. Insbesondere, wenn Sie den Misserfolg des eigenen Bemühens schon festgestellt haben. Oder wenn Sie diesen Misserfolg zurecht befürchten – denn schließlich wäre es kein gutes Rezept, erst einmal ein Jahr lang auf eigene Faust erfolglos Arbeit zu suchen, bis Sie sich professionelle Verstärkung suchen.

Vielleicht brauchen Sie aber auch nicht sofort einen neuen Job, sondern stellen eher zukunftsorientierte Planungen an? Dann hilft Ihnen die Kenntnis des Schema F durchaus weiter: Tun Sie alles, um ins Schema zu passen – solange es auch zu Ihnen passt und es Ihnen Spaß macht. Schauen Sie durch die Schema-F-Personalerbrille und holen Sie nach, was Ihnen fehlt. Etwa eine formelle Qualifikation. Oder erwerben Sie über Praktika oder passende Projekte relevante Berufserfahrung. Schließen Sie Ihr Methodendefizit in Sachen Sprache oder EDV. Damit bedienen Sie nicht nur die Sortier-Raster der Personalabteilungen, sondern werden kompetenter und allgemein wettbewerbsfähiger.

Und die Zukunft des Schema F? Natürlich ist mechanisches, gedankenloses Vorgehen trostlos. Aber immer dort, wo es eine ausreichende Menge ähnlich qualifizierter Bewerber gibt, werden auch schnelle, grobschlächtige Entscheidungshilfen präsent sein. Daher werden sie nie aussterben, so schön diese Welt auch ohne sie wäre. Ohne Anwendung bleiben sie aber bei allen besonderen Jobs, für die es grundsätzlich sehr spezielle Qualifikationen und Kompetenzen braucht.

Und in allen anderen Fällen bringt Sie die gekonnte Kommunikation in eigener Sache zum Ziel.

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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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