Porträt Christoph Burger
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16.10.2018 Allgemein

Gehalt: In eine andere Kategorie springen

Sind Sie unzufrieden mit Ihrem Gehalt? Selten ist dies der einzige Grund, eine Karriererberatung zu buchen – oft kommt die finanzielle Unzufriedenheit aber als ein Grund unter mehreren vor. Zuweilen taucht beim Thema Geld ein besonderes Problem auf: Das Gehalt erscheint um eine ganze Größenordnung zu gering zu sein.

Lausige Gehälter – aus unterschiedlichen Gründen

Der Grund meiner Kundinnen oder Kunden, dies anzunehmen, sind Vergleichsgehälter, die deutlich höher liegen. Wir sprechen hier also nicht davon, dass Sie durch eine entscheidende Weiterbildung, einen Wechsel in die Führungsverantwortung o.ä. oder gar mit einem rethorischen Spezieltrick vorwärts kommen. Der Eindruck der  Unterdurchschnittlichkeit des eigenen Vertrags ist vielmehr durch ein Vergleichsgehalt gegeben.

Zu unterscheiden ist dann: Zahlt mein Unternehmen unterdurchschnittlich? Oder findet sich der Grund für mein niedrieges Salär in sonstigen Bedingungen? Etwa in der Branche? Dass Sie schlecht verhandelt haben, wird eher seltener der Grund sein – darauf komme ich weiter unten zu sprechen.

Zunächst mal könnten Sie also bei einem Arbeitgeber beschäftigt sein, der tatsächlich kein adäquates Gehalt für Ihre Qualifikation und Leistung anbietet. Manche Unternehmen machen hier einen Unterschied, etwa, dass Führungskräfte gut, aber alle anderen schlecht bezahlt werden. Auf andere trifft zu, dass allgemein gegeizt wird. Manche Angestellten gehen davon aus, dass sich der oder die Chef/s die Taschen voll macht – doch das ist oft nicht der Fall. Wer etwa in der Region Stuttgart Automobilzulieferer ist und kein anderes Standbein hat, wird von den mächtigen Herstellern häufig derart im Preis gedrückt, dass die Margen für keine guten Gehälter reichen. Einmal berichtete mir ein Kunde aber auch von einem besonders ehrlichen Chef. Der sagte: „Klar, könnte ich Ihnen mehr zahlen. Das mache ich aber nicht“.

So oder so: Es gibt Arbeitgeber, die unterdurchschnittlich zahlen. Die Annahme, dass es einen Arbeitsmarkt gibt, der die Gehälter nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage einander annähert, ist ideologisch verbrämt und trifft nicht zu. In der Realität hat ein Unternehmen, das unterdurchschnittlich zahlt, mehr Probleme, Mitarbeiter zu finden und zu halten. Da viele Angestellte jedoch gar nicht wissen, dass sie woanders mehr verdienen könnten, bleiben sie. Andere bleiben vorläufig, weil sie nicht so schnell wechseln können. Oder weil der Arbeitgeber direkt ums Eck liegt. Oder weil man sich an alles gewöhnen kann. Letzten Endes kommt der knauserige Arbeitgeber mit seinen Niedriglöhnen einigermaßen durch. Der Markt gleicht nichts aus. Es gibt in der Realität viele Unternehmen und Organisationen, welche die gängigen Durchschnittsgehälter systematisch und dauerhaft unterschreiten.

Manche Branchen zahlen mehr als andere. Und größere Unternehmen zahlen in der Regel mehr als kleinere. Wer also beispielsweise von anderen Absolventen weiß, die mehr verdienen, muss genauer hin schauen: Entstammt der andere Betrieb überhaupt der gleichen Branche, passen Unternehmensgröße Standort und Aufgaben? Nur dann können die Gehälter nebeneinander gestellt werden.

Der Sprung in eine andere Gehaltsklasse

Die meisten Situationen, die zu deutlich niedrigeren Gehältern als üblich führen, sind damit beschrieben worden. Was können Sie tun? Die Antwort ergibt sich aus den eben beschriebenen Fällen: Wechseln Sie das Unternehmen und gegebenenfalls die Branche. Wenn Sie diese Rahmenbedingungen ins günstige Verhältnis bringen, werden Sie automatisch in eine andere Gehaltsklasse aufsteigen können. Anders gesagt: Ohne diesen Wechsel wird es nicht gehen! Mehr als eine moderate Steigerung von 3-5 Prozent pro Jahr (und auch dies manchmal nur, wenn Sie gut verhandeln) sind nicht machbar, wenn Sie an Ort und Stelle bleiben. (Unter sonst unveränderten Bedingungen natürlich, d.h. gänzlich neue Aufgaben oder eine neue, wichtige Qualifikation o.ä. rechtfertigen natürlich auch eine stärkere Steigerung).

Mehr oder weniger geschicktes Verhandeln führt zwar zu Gehaltsunterschieden innerhalb der Organisation. Dies ist aber selten der Grund für grob unterdurchschnittliche Gehälter. Sollte dies auf Sie zutreffen, wird es Ihnen nur schwer gelingen, das Defizit durch besseres Verhandeln auszugleichen. Das beste Argument wird dann ein konkret vorliegendes Konkurrenz-Angebot sein. Dies dem aktuellen Arbeitgeber unter die Nase zu reiben, kommt aber – nachvollziehbar – leicht erpresserisch an.

Der Wechsel des Arbeitgebers und oder der Branche wird daher häufig die deutlich einfachere Variante sein, um den nötigen Gehaltssprung zu realisieren.



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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