Porträt Christoph Burger
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24.12.2012 Allgemein

Was tun bei Streit unterm Weihnachts-Baum?

Für die Weihnachtszeit hat die Karriere eine Pause verdient. Weihnachten will gefeiert werden – doch hier lauert eine Gefahr seitens der Work-Life-Balance: Streit, Wut und Ärger. Warum ist das so und was kann man tun?

Das Fest der überzogenen Erwartungen

Weihnachten soll schön sein. Besinnlich, im Kreis der Familie. Schenken und beschenkt werden, einmal in Ruhe zusammen sein, etwas Gutes essen und trinken. Dennoch – oder gerade deshalb – gibt es allzu häufig Knatsch. Die größten Auseinandersetzungen finden gerade in dieser Zeit statt. Warum? Die routinierten Handlungen, die vertrauten Abläufe, wie sie den Alltag bestimmen, fehlen. Gleichzeitig steigen die Ansprüche. Diese Zeit soll nicht nur Durchschnitt sein, sondern besonders schön und gelungen! Dabei lauert hinter jedem Wunsch eine Enttäuschung: Ungleiche Rollenverteilung bei der Vorbereitung, etwas geht schief, das Essen schmeckt nicht, das falsche Geschenk wurde ausgesucht.

Erste Hilfe bei Streit unterm Baum

„Es ist so viel zu tun und ich muss alles alleine machen!“

Für Grundsatzdebatten ist jetzt keine Zeit: Klären Sie die Rollenaufteilung für die nächsten Stunden, das genügt vorerst. Bieten Sie die praktische Hilfe, die gerade gefragt ist. Manchmal muss man die Dinge einfach tun – auch privat.

„Immer die falschen Geschenke!“

Bedanken Sie sich für die gute Absicht, aber weisen Sie freundlich darauf hin, dass Sie lieber etwas anderes haben würden. Schlagen Sie einen gemeinsamen Umtausch vor. Bei dieser Gelegenheit können Sie deutlich machen, was Sie mögen – für die Zukunft.

„Aber ich wollte doch !!!“

Auch Kinder haben übergroße Erwartungen – die nicht immer erfüllt werden können. Dämpfen Sie von vornherein die zu großen Hoffnungen. Wenn das Kind vorher eine ungefähre Einschätzung vermittelt bekommt, was unterm Baum liegen wird, weint oder explodiert es nicht beim Auspacken.

„Dieser Familienbesuch ist schrecklich!“

Besprechen Sie vorher den Ablauf. Gehen Sie kurz die zu erwartenden Konfliktpunkte und besten Reaktionsmöglichkeiten durch. Meist sind es die gleichen Punkte, die jährlich aufbrechen. Mit etwas Vorbereitung wird das gleich viel besser gelingen.

„Das stört mich schon immmer, ….“

Ja, Weihnachten und die Tage danach, das ist auch und ausdrücklich die Zeit dafür, Grundsätzliches zu klären. Die Zeit reicht aus, sich durch Reibung wieder näher zu kommen. Wie ein Streichholz die Kerze entzündet, gibt das Fest den Funken. Wenn Sie die freigelegte Energie dann nutzen, stehen Sie sich nach den Feiertagen näher, als vorher. Haben Sie daher nicht vor Wut oder Enttäuschung Angst – sondern gehen Sie richtig damit um.

Bedürfnisse klären, Pläne machen

Nehmen Sie sich eine Auszeit, wenns knallt: Bis zehn zählen, aus dem Raum gehen, ein kleiner spontaner Spaziergang: Bringen Sie einfach etwas Zeit zur Beruhigung in die Auseinandersetzung.

Für das klärende Gespräch ist hinterher Raum. Sprechen Sie auf einem ruhigen, langen Spaziergang an, warum es Ihnen eigentlich geht. Der Streit zeigt nur auf, was im Argen liegt. Er klärt nichts. Dafür gibt es aber dann das Gespräch danach. Konfliktlösung funktioniert, indem Sie Ihre Bedürfnisse ansprechen: Nach Anerkennung, Achtung, Respekt, Wertschätzung, Organisation, Klarheit, Sicherheit. Vor jedes dieser Wörter können Sie ein „Selbst-“ setzen. Sie müssen sich auch selbst anerkennen, wertschätzen, Klarheit haben, sicherheit geben, sich organisieren. Der andere ist nur der Funke und die Reibung. Die Chemie im Streichholz haben Sie schon selbst vorbereitet. Nun aber können Sie alles klären: Was Sie vom anderen erwarten und was Sie selbst tun müssen.

Beispiel Anerkennung

Sie hatten über das Jahr das Gefühl, immer zu kurz zu kommen? Job, Kinder, Haushalt, alles zu viel? Ihr Partner tut nichts? Dann könnte Ihr Partner sicher mehr tun – aber auch Sie müssen einfordern, was Sie brauchen. Und Sie können selbst für sich sorgen. Einen heiligen Sport- oder Kaffee-Klatsch-Nachmittag durchsetzen, nur als Beispiel. Wenn Konflikte in letzter Zeit zu häufig ausgingen, indem Sie sagten „dann mach ich das halt selbst“, ist es künftig an Ihnen, sich selbst wichtiger zu nehmen.

In diesem Sinne: Schöne Weihnachten und eine fruchtbare Konfliktklärung!

Tipps zum Nachlesen: 128 Seiten über Wut und Ärger im Unternehmen



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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