Bewerbung und Karriere: 8-fach Lernen aus Löws WM-Aufgebot

Gestern präsentierte Fußball-Bundestrainer Joachim Löw sein Aufgebot für die WM in Brasilien. Zeit-Online beschrieb daraufhin treffend, prägnant und witzig, was jeder Spieler kann und was nicht. Ein hervorragendes Beispiel, um daraus in vielerlei Hinsicht für Bewerbung und Karriere zu lernen.

1.) Klarer Aufbau

Jedes Spieler-Portrait in dem Beitrag ist gegliedert in Angaben zum Verein, zum Alter, zur Spielposition. Dann folgen die Rubriken: “Was kann er?” und “Was nicht?”. Über Philipp Lahm heißt es beispielsweise Was kann er? Alles.” “Was nicht? Überall spielen.  …”. Damit ist schon sehr viel gesagt, welche Rolle der Kapitän einnimmt.

Egal, ob Sie eine Bewerbung oder eine E-Mail verfassen oder eine Präsentation vorbereiten: Achten Sie auf Ordnung, klaren Aufbau und Lesefreundlichkeit. Entsprechen Sie immer den Lesegewohnheiten, den Bedürfnissen nach Gliederung und Übersicht.

2.) Kürze

Wie viel Platz brauchen wir fast alle, um unser Profil zu beschreiben. Die Beispiele auf Zeitonline zeigen, dass man nur wenige Worte braucht. Beispiel:

Manuel Neuer.
Was kann er? Fußball spielen. Für einen Torhüter ist das ungewöhnlich. Mit dem Fuß ist er wohl der Beste der Welt. Er ist der Libero, der vor 15 Jahren abgeschafft wurde. Mit den Händen ist er auch kein schlechter, seine Konterabwürfe sind gefürchtet. Durch seine bloße Anwesenheit schüchtert er Stürmer ein, die dann vorsichtshalber abdrehen.
Was nicht?
Ruhig bleiben. Neuer ist manchmal übermotiviert, kommt aus seinem Tor galoppiert wie ein junges Rennpferd. Manchmal verschätzt er sich. Dann ist was los.

Versuchen Sie, Unnötige Worte zu erkennen und zu streichen. Häufig sind das die ersten Sätze. Oft die Adjektive.

3.) Selbsterkenntnis zuerst

Voraussetzung für Kürze ist eine umfangreiche Analyse. Beispiel:

Roman Weidenfeller:

… Auch beim Herauslaufen hat er sich verbessert, ist also kein so unmoderner Torhüter, wie viele denken.

Das kann man nur schreiben, wenn man den Spieler über längere Zeit genau beobachtet hat. Für Sie heißt das, Zeit und Mühe in die Suche nach Stärken und Schwächen zu investieren. In einer guten Kenntnis des eigenen Profils liegt eines der großen Erfolgsgeheimnisse der Karriere und des Lebens insgesamt.

Außerdem ist innere Klarheit die Voraussetzung für jede gute Kommunikation: Wer nicht weiß, was er sagen will, kann sich unmöglich verständlich ausdrücken. Bereiten Sie daher Bewerbungen, Verhandlungen, Gespräche immer gründlich vor! Bessere Ergebnisse werden Ihr Lohn sein.

4.) Floskeln streichen

Selbstverständlich gehört alles gestrichen, was reine Floskel ist. Positives Beispiel:

Marco Reus

Was kann er? Als Formstärkster anreisen. Reus ist für manchen deutschen Fan der einzige Grund, sich auf die Weltmeisterschaft zu freuen. Trotz langer Verletzungspause war er in 42 Spielen an 46 BVB-Toren beteiligt.

Im ersten Satz ist der Kern bereits ausgedrückt. Die weiteren Sätze dienen nicht dazu, diesen Inhalt mit Floskeln zu umranken. Stattdessen wird eine andere Perspektive hinzu gefügt und in einem konkreten Beispiel veranschaulicht.

Was immer Sie ausdrücken wollen: Machen Sie Ihren Punkt klar. Erläutern Sie ihn gegebenenfalls anhand eines Beispiels. Benutzen Sie ausgewählte Zahlen, um ihn zu unterstreichen. Und tilgen Sie das Herumgerede in Worthülsen aus.

5.) Redundanz gezielt einsetzen

Redundanz ist gut, aber bitte mit Verstand. Beispiel:

Christoph Kramer.
Was kann er? Laufen. “Für die WM laufe ich zu Fuß nach Brasilien”, sagte Kramer vor einem halben Jahr. Das kann man wörtlich nehmen: Er ist der laufstärkste Spieler der Bundesliga und trotz seiner lethargischen Art sehr zweikampfstark.

In diesem kleinen Text wurde dreimal gesagt, dass Kramers Stärke das Laufen ist. Hätten Sie die Wierderholung bemerkt? Langweilig zu lesen ist das nämlich trotzdem nicht.
Ihre Kernbotschaft können Sie nicht oft äußern. Machen Sie es wie die Politiker: Unterstreichen und betonen Sie. Aber immer mit Bedacht, strategisch klug und nicht einfach aus Verlegenheit oder Furcht vor der Stille.

6.) Konzentration auf das Wesentliche

Häufig ist das Wesentliche mit inhaltsarmem Text zugestellt. Man will ja höflich sein  – aber nervt am Ende und schadet sich selbst. Missverständnisse sind programmiert und die eigentliche Botschaft wird nicht verkauft. Positives Beispiel:

Per Mertesacker

Was kann er? Im Weg stehen oder netter: Sein Stellungsspiel ist phänomenal. Er weiß meist, wohin der Gegner passt, bevor der es weiß. Mit seinen langen Haken angelt er sich stets die Kugel. Mit 1,96 Meter tut er dem deutschen Kopfballspiel gut.

Was Mertesacker sonst noch kann? Vieles: Ball annehmen, abspielen, mit den Leuten reden, laufen, Spiel eröffnen …… braucht man alles nicht. Ist doch klar.

Konzentrieren Sie sich auf Ihre Kernbotschaft und stellen Sie unter allen Umständen sicher, dass sie richtig ankommt.

7.) Unterhaltungswert

Obwohl die Spieler-Portraits kurz, prägnant und aussagekräftig sind, blieb den Zeit-Autoren genügend Raum, die Leser zu unterhalten. Beispiel:

Roman Weidenfeller
Was kann er? Bälle halten, das Duell Mann gegen Mann und sehr schöne Flugeinlagen, wenn es gilt, den Ball aus dem Winkel zu kratzen, spektakuläres Abrollen inklusive….

Langweilen Sie Ihre Umgebung nicht. Bitte keine billigen Witze. Aber kommen Sie auf den Punkt. Und zeigen Sie Humor. Am ungefährlichsten und häufig sehr vorteilhaft ist es, wenn Sie sich über die eigenen Schwächen lustig machen.

8.) Bildhafte Sprache, Beispiele

Viele sprechen im Geschäft, als hätte man ihnen verboten, normal zu reden. Dazu kommt das Unvermögen, griffige Beispiele zu gebrauchen. Eine einzige konkrete Begebenhheit kann die besonderen Stärken einer Führungskraft viel deutlicher illustrieren, als zehn Zahlentabellen. Dabei kommt es auf die richtige Auswahl an. Das Geschilderte muss charakteristisch sein. Beispiel:

Erik Durm:

Was kann er? Angstfrei spielen. Zuletzt bewiesen gegen Real Madrid und Bayern München, als Dortmunds Novize [also Durm] Gareth Bale respektive Arjen Robben ruhig stellte.

Zwei konkrete Fußballspiele, zwei weltbekannte Stürmer, deren Entfaltung behindert wurde. Viel mehr braucht es nicht, um die Stärken Durms klar zu machen.

Wählen Sie für Ihre Zwecke ebenfalls einige wenige prägnante Beispiele aus. Konzentrieren Sie sich dann darauf, den Kern Ihrer Botschaft in diesen Fällen heraus zu arbeiten.

8.) Profile nach Zielen

Die Zusammenstellung der Spieler selbst zeigt bei dieser WM eines überdeutlich: Um ein Team zusammenzustellen, braucht es eine klare Idee, was und wie etwas erreicht werden soll. Löw strich den vorletzten Stürmer aus dem Aufgebot. Da braucht man eine klare Vorstellung vom Spielsystem, die bei Löw offensichtlich anders ist, als bei anderen Trainern. Nicht einmal Pep Guardiola bei Bayern München verzichtet auf den klassischen Stürmer.

Erst muss das Ziel klar sein, dann sucht man die Leute dafür. Aus einem Ensemble der besten Mitarbeiter wird nichts, wenn Unternehmen und Manager deren Aufgabe und Weg nicht ausreichend beschrieben haben. Jeder hat Schwächen, doch das macht nichts. Wenn das Team richtig zusammen gestellt wurde und jeder seinen optimalen Platz zugewiesen bekommt, ist der Erfolg wahrscheinlich.

Meine Empfehlung

Lesen Sie den Zeit-Artikel, es lohnt sich. Und dann machen Sie sich daran, Ihre eigenen Stärken und auch Schwächen zu identifizieren und zu beschreiben. Damit haben Sie die Grundlage geschafften für Ihre Bewerbung, Ihre Karriere und Ihr Leben. Und Sie haben Ihre Vorfreude auf die WM maximiert.

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