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18.03.2014 Karriere

Bewerbung: Der Wille zum Erfolg entscheidet

career-111932_640Manche Bewerber klagen, sie seien zu alt, um erfolgreich zu sein. Andere halten sich für zu wenig qualifiziert. Mein Verdacht war dagegen schon immer, dass es eher auf die Aktivität der Bewerber ankommt. Welcher der drei Faktoren ist der wichtigste? Seit einigen Jahren werte ich Transferprojekte statistisch aus. In die folgende Auszählung gingen Daten von 134 Personen ein, die in verschiedenen Projekten in der Region Stuttgart in den letzten fünf Jahren auf Arbeitssuche waren.

Alter ist (k)ein Hemmschuh

Der Faktor Alter ist danach nicht zu leugnen. Während Ältere (über 45 Jahren) bis kurz nach Projektende zu 49 Prozent eine neue Stelle gefunden hatten, waren 74 Prozent der Jüngeren erfolgreich.

Dennoch war das Alter im Vergleich der schwächste der untersuchten Faktoren, wie Sie gleich sehen werden. Außerdem gilt: Das Alter von Arbeitssuchenden ist relativ. Die Frage lautet immer: Wie alt bin ich im Vergleich zu meiner Qualifikation? (Lesen Sie dazu: „Hilfe, ich bin zu alt für den Arbeitsmarkt. Tipps für Ihre Bewerbungsstrategie“). Sie sollten daher immer darauf achten, dass Sie nicht nur älter werden, sondern auch Neues lernen.

Qualifikation bringt deutliche Vorteile

Wer ist qualifiziert? Zwei Beispiele: Ein Facharbeiter, der die letzten zehn Jahre als einfacher Maschinenbediener gearbeitet hat, ist unqualifiziert. Sein Beruf bringt ihm nur noch wenige Vorteile auf dem Arbeitsmarkt. Ein Kfz-Mechaniker, zuletzt ebenfalls nur mit einfachen Montagearbeiten in der Produktion befasst, aber mit frischer Berufskraftfahrer-Ausbildung (Kurzform) versorgt, ist qualifiziert. Sein Profil wird auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt.

Die Auswertung der Transferprojekte zeigte: Eine solide Qualifikation war ein klarer Erfolgsfaktor. Von den Unqualifizierten konnten nur 45 Prozent eine neue Stelle antreten. Dagegen waren 92 Prozent der Qualifizierten auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich (siehe dazu mein Plädoyer für mehr Bildung).

Unschlagbar: Der Wille zum Bewerbungserfolg

Bleibt noch der letzte Faktor, der Wille dazu, eine neue Stelle zu finden. Wer den neuen Job dringend will, verbessert die Qualität der Bewerbungen, er nutzt das persönliche Netzwerk und ist hinsichtlich Arbeitsort, -art und -lohn flexibel. Ein unübersichtliches Terrain. Im Einzelnen sind diese Punkte schwer zu erfassen. Vieles davon führt aber dazu, dass mehr Bewerbungen verschickt werden. Dies wiederum lässt sich messen.

Das Ergebnis der Auszählung ist ebenso aussagekräftig wie überraschend. Alle Beschäftigten der Transfergesellschaft, die mindestens 7 Bewerbungen pro Monat verschickt hatten, waren erfolgreich. Alle – d.h. hundert Prozent der Bewerber – mehr geht nicht! Von den Beschäftigten, die weniger Bewerbungen verschickten, kamen nur 59 Prozent zum Ziel. Insgesamt also ein wunderbares, ermutigendes Ergebnis für alle Bewerber, finde ich.

Praktische Hinweise zur „Quantität“ bei der Arbeitssuche finden Sie z.B. in diesem Artikel zum Gießkannenprinzip. Auch wer alt und unqualifiziert war, fand also in der Region Stuttgart einen Job, wenn er sich wirklich darum kümmerte. Die schiere Not scheidet als Erklärung für den 100-Prozent-Erfolg übrigens aus. Alle Beschäftigten der ausgewerteten Transferprojekte verfügten durch die Transfergesellschaft über eine gute Absicherung.

Das bedeutet allerdings auch, dass sie formell nicht arbeitslos waren. Über Langzeitarbeitslose sagt die Studie also nichts aus. Ferner wurden alle Beschäftigten durch die Transfergesellschaft unterstützt. Das bedeutet, dass sie über gute Unterlagen verfügten und die passenden Ziele angingen. Ein paar Randbedingen spielten also im untersuchten Fall eine Rolle. Dennoch bleibt am Ende der tröstliche Schluss: Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, aus eigener Kraft zum neuen Job zu kommen.

Dazu passt: Überqualifikation bei der Bewerbung: Sind Sie als Führungskraft zu hoch geklettert?



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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